Fibromyalgie und Akupunktur

Schmerzen am ganzen Körper und keine körperliche Ursache

Das Fibromyalgie-Syndrom ist ein relativ neuer Krankheitsbegriff aus der Humanmedizin. Wortwörtlich beschreibt er „Faser-Muskel-Schmerz“, das besondere an diesem Syndrom ist allerdings, dass dem Schmerz keine organische Ursache zugrunde liegt.

Mit anderen Worten es finden sich keine Entzündungen oder Abbauprozesse an den Gelenken und dem Bewegungsapparat. Auch die Laboruntersuchung zeigt keine spezifischen Abweichungen von der Norm. Trotzdem zeichnet sich dieses Syndrom dadurch aus, dass chronische Schmerzen annähernd am ganzen Körper bestehen.

Für die Diagnose müssen allerdings noch weitere Beschwerden auftreten wie Erschöpfung und Müdigkeit, Schlafstörungen und Steifigkeitsgefühle in den Händen und Füßen über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten. Früher wurden zusätzlich sogenannte Tender-Points am Körper gesucht, dies ist allerdings heute nicht mehr zwingend erforderlich.

Die Ursache für diese Schmerzen sind im Sinne der Humanmedizin ungeklärt. Man vermutet allerdings eine funktionelle Störung der Schmerzverarbeitung im Gehirn. Dadurch ist bei Fibromyalgie-Patienten die Schmerzschwelle niedriger und die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Als Behandlung besteht meist nur die Möglichkeit psychotherapeutisch, den Umgang mit den Schmerzen zu erlernen. Da auch 40-80% der Betroffenen psychische Beschwerden wie depressive Verstimmung verspüren, hilft dies häufig. Schmerzmedikamente werden nur für einen begrenzten Zeitraum empfohlen.

Wie beurteilt die chinesische Medizin Fibromyalgie?

Da die Diagnose des Fibromyalgie-Syndroms aus der Humanmedizin kommt, kennt die chinesische Medizin dieses Syndrom nicht. Allerdings kennt die chinesische Medizin andere Diagnosen, welche ein ähnliches Krankheitsbild beschreiben. Diese Diagnosen und die Behandlungsstrategien sind Teil der Schmerztherapie der chinesischen Medizin. Unterschieden werden diese Diagnosen durch den sogenannten Schmerzcharakter, das heißt durch die Beschreibung der Art und Weise des Schmerzes. Es werden dabei zumindest acht verschiedene Schmerzarten unterschieden, welche alle differenziert durch die Akupunktur und Kräuterarzneimittel behandelt werden:

  • Schmerzen, welche durch das Wetter beeinflusst werden und nach einem Infekt auftreten…
    • Schmerzen welche dabei häufig den Ort wechseln
    • Stechende Schmerzen, welche durch Wärme besser werden
    • Dumpfe Schmerzen mit einem Schweregefühl
  • Brennende Schmerzen ausgelöst durch bestimmte Nahrungsmittel
  • Spannungsschmerz, welcher mal hier mal dort ist und durch Aufregung schlimmer wird
  • Schmerzen am Körper, welche erst nach einem Unfall auftreten und dabei zum Beispiel in der Nacht schlimmer sind
  • Ein eher milder Schmerz, wobei sich die Muskeln auch wund anfühlen können und die Beschwerden durch Belastung verschlimmert werden
  • Eher dumpfe Schmerzen nach langen Erkrankungen oder im Alter…
    • Einhergehend mit einem starken Kältegefühl
    • Einhergehend mit einem starken Wärmegefühl

Darüber hinaus weiß die chinesische Medizin auch um die Auswirkung von Emotionen auf das körperliche Wohlbefinden. Sie trennt allerdings nicht zwischen Körper und Geist. Eine Behandlung des Körpers hat daher auch Auswirkungen auf den Geist. In diesem Sinne kann die Behandlung durch die chinesische Medizin eine Psychotherapie unterstützen.

Wie behandelt die chinesische Medizin Fibromyalgie?

In der Behandlung der Schmerzsymptomatik kommen je nach Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist allerdings die Akupunktur und Kräuterrezepturen.

Hierbei werden beide Verfahren immer individuell angepasst und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Es gibt hier kein Schema F für eine Behandlung. Neben der Anamnese ist außerdem eine genaue körperliche Untersuchung als Teil der Leitbahntherapie nach Dr. Wang Ju-Yi hilfreich. Dies dient dazu, die Behandlung so genau als möglich zu gestalten. Gerade die Akupunktur zeigt hier ihre Stärken. Je nachdem wie der Schmerzcharakter ist und wo die Schmerzen verortete sind, werden andere Akupunkturpunkte verwendet, um zu behandeln. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich im Bereich: Mit mir arbeiten.

Wie sind die Studien zur Behandlung von Fibromyalgie und Akupunktur?

Zum Krankheitsbild des Fibromyalgie-Syndroms und die Behandlung durch Akupunktur gibt es inzwischen unzählige Studien mit einer hohen Aussagekraft. Im Sinne der evidenzbasierten Medizin (EbM) ist hierbei der Goldstandard der Vergleich von hoch qualitativen Studien, die sogenannte Meta-Analyse. Hier zeichnet sich ein Trend ab. Die Meta-Analyse von Cao et al. (2010) beschreibt die Akupunktur als eine sichere und effektive Behandlung für Fibromyalgie.

In Abgrenzung dazu kommt die Meta-Analyse von Deare et al (2013) im Auftrag der Cochrane Collaboration zu einem anderen Ergebnis. Zwar weisen die Studienergebnisse daraufhin, dass Akupunktur bei Fibromyalgie helfen kann, allerdings sei nicht klar, ob die Akupunktur im Sinne der chinesischen Medizin (Verum) besser wirken würde als eine Scheinakupunktur (Sham).

Die neueste Meta-Analyse durch Zhang et al. (2019), welche weitere Studien enthält, beantwortet diese Frage klarer. Die Verum Akupunktur wirkt besser als die Sham Akupunktur und verbessert die Beschwerden von Fibromyalgiepatienten. Ein Hinweis darauf, dass die Behandlungsstrategien im Sinne der chinesischen Medizin wichtig sind.

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