Meditation über Gesundheit

Frühling, Sommer und …

Ein wesentlicher Teil der chinesischen Medizin ist ihr Anspruch auf Ganzheitlichkeit. Dies bezieht sich nicht nur auf den menschlichen Körper in Verbindung mit seinem Geist, sondern auch auf die Verbindung zwischen dem Mensch und seiner ihn umgebenden Welt. Die folgende Mediationsbeschreibung bietet einen Zugang zur Philosophie, welche dieses Welt- und Menschenbild geprägt hat. Darüber hinaus unterstützt sie den Weg der Heilung.

Yin und Yang entstehen aus dem Dao.

Alles beginnt am Anfang

Das auch im Westen bekannt Yin und Yang Zeichen bildet einen Grundstock für die Philosophie in China. Es zeigt als Bild auf, inwiefern Materie (Yin) und Energie (Yang) zusammenwirken. Aus der Interaktion dieser beiden Pole entsteht eine Bewegung (Qi). In dem Bild von Yin und Yang wird dies durch die trennende Linien Zwischen Yin und Yang dargestellt.

Um dieses Grundkonzept abzuschließen ist es wichtig den Begriff der Bewegung (Qi) näher zu erläutern. Das traditionelle chinesischen Zeichen für Qì 氣 zeigt bildhaft ein gegartes Reiskorn und aufsteigenden Wasserdampf. Erst durch die das Zusammenwirken von Wärme (Yang) und Wasser (Yin) kann das Reiskorn garen und dadurch sein Qi entfalten. Es wird in diesem Falle nahrhaft.

Der Begriff der Bewegung (Qi) bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf das Garen von Reis, sondern beschreibt wie oben erwähnt, dass von aus der Interaktion von Materie (Yin) und Energie (Yang) entsteht.

Dieses Prinzip lässt sich auf den menschlichen Körper beziehen wenn beispielsweise eine Zelle (Yin) unter verbrauch von Adenosintriphosphat/ATP als Energielieferant (Yang) ein Hormon, exemplarisch Insulin (Qi) herstellt.

Auf die Jahreszeiten bezogen wäre es im Frühling die Sonne (Yang), welche auf den Boden (Yin) trifft und die Pflanzen dadurch beginnen wachsen (Qi).

Aus diesem Verständnis heraus gibt es in der chinesischen Kultur unzählige Arten von Qi. Dies macht eine unmittelbare Übersetzung des Begriffs Qi schwierig. Erst durch die Verbindung mit der Philosophie von Yin und Yang wird eine sinnhafte Übersetzung möglich.

Der Samen ist gelegt, kann wachsen

Yin und Yang lässt sich auch auf die Jahreszeiten anwenden. Der warme Sommer gilt als Yang, insbesondere im Verhältnis zum Kalten Winter. Sommer und Winter sind allerdings so extrem in ihrer Yin und Yang Qualität, dass der Sommer als Yang im Yang und der Winter als Yin im Yin beschrieben wird.

Diese feinere Einteilung zeigt einen weiteren Aspekt der Yin und Yang Philosophie auf, jeder Aspekt von Yang beinhaltet einen weiteren Yin oder Yang Aspekt. Dies gilt ebenso für Yin. Am Beispiel der Jahreszeiten Frühling und Herbst kann dies gut nachvollzogen werden.

Das Wetter und der Erdboden werden nach dem kalten Winter (Yin im Yin) im Frühling wieder durch die Sonne erwärmt (Yang). Dieser Erwärmungsprozess wird immer stärker. Daher wird der Frühling als Yang im Yin Phase bezeichnet. Das sozusagen noch junge, wachsende Yang interagiert mit dem Yin und initialisiert den Frühling als Prozess (Qi) in der Umwelt.

Es folgt der heiße Sommer als Yang im Yang Jahreszeit. Danach sinkt die Wettertemperatur wieder, es wird stetig kälter (Yin). Der Herbst wird daher als Yin im Yang Phase bezeichnet. Das Yin wächst immer weiter an, wodurch nach dem Herbst der Winter als Yin im Yin Phase folgt. Somit lassen sich die Jahreszeiten in Yin und Yang einteilen.

Alles blüht und reift

Innerhalb der vier Jahreszeiten gibt es in der chinesischen Kultur noch eine Zusätzliche Phase. Die Phase der Mitte. Sie liegt immer am Übergang der Jahreszeiten und bildet das Zentrum, um welches sich alles orientiert. Yin und Yang finden in dieser Phase ihr Gleichgewicht, sodass das Zentrum weder als Yin, noch als Yang gilt.

In der chinesischen Kultur wird der Mensch wie oben erwähnt in Verbindung mit seiner Umwelt betrachtet. Dies gilt auf zweierlei Arten. Zum einen beeinflussen die Jahreszeiten den menschlichen Körper ganz wesentlich.

Man denke nur an den Vitamin D Haushalt. Im Sommer produziert der Körper aufgrund der Sonneneinstrahlung viel mehr Vitamin D als im Winter, aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung.

Zum anderen, finden sich die Prozesse der Jahreszeiten auch im menschlichen Leben wieder. Die Pubertät als Frühling, die Adoleszenz als Sommer und so weiter. Auch im Körper finden die Jahreszeiten ihr Abbild. So durchläuft jede Körperzelle die Jahreszeit des Frühlings, sich wächst, steht in voller Blühte ihrer Kraft und wird nach einiger Zeit schwächer und stirbt.

Die Zeit der Ernte

Auch Gesundheit und Krankheit können in Sinne von Yin und Yang differenziert werden. Absolute Gesundheit wäre nach dieser Betrachtungsweise die Harmonie zwischen Yin und Yang. Heilung wiederum entspricht dem Frühling und dem Sommer, alles erneuert sich, reift und kommt zur blühte.

Krankheit auf der anderen Seite steht exemplarisch für den Herbst und den Winter. Die körperlichen Prozesse werden vermindert, langsamer und kommen in letzter Konsequenz komplett zum erliegen. Es folgt der Tod.

Da in Yin und Yang immer auch die Bewegung (Qi) angelegt ist, welche dafür steht, dass aus dem Zusammenwirken von Yin und Yang immer etwas Neues entsteht, schließt sich hier der Kreis. Eine neue Phase von Jahreszeiten folgt.

Auf die Ernte folgt die Einkehr

Was hat diese lange Ausführung mit Meditation zu tun? Sehr viel sogar. Wie Eingangs erwähnt, soll diese Mediationsbeschreibung den Weg der Heilung fördern. Welche Meditation gemeint ist, ist bisher aber unklar. Also um was für eine Meditation geht es?

Um eine denkbar einfache, es geht darum, sich jeden Tag aufs Neue die Jahreszeit des Frühlings und des Sommers zu vergegenwärtigen. Was passiert in diesen Jahreszeiten, wie fühlt es sich an daran zu denken, was für Bilder oder Geräusche sind damit verbunden? Dies wären einige Fragen für die Meditation.

Die Meditation als solche kann fünf Minuten oder eine Stunde lang sein. Ob mit offenen Augen oder mit geschlossenen Augen ist ebenfalls nebensächlich. Ebenso, ob die Meditation im Sitzen oder stehen, auf der Arbeit oder vor dem Schlafen gehen durchgeführt wird. Es geht einzig darum, sich diese Jahreszeiten zu vergegenwärtigen.

Aus der chinesischen Bewegungsform des Qi Gong stammt die Aussage: „Qi folgt der Aufmerksamkeit“. Wenn der Körper (Yin) denkt (Yang) entsteht Bewegung (Qi). Ein einfaches Beispiel: Stellen sie sich ein Zitrone vor, die knallige Gelb, mit der frischen, saftigen Schale, der feine Zitrus Geruch und die leichte Säure im Mund wenn Sie herzhaft in die Zitrone beißen.

Ein anderes Beispiel: Nur Grinsen alleine macht glücklich. Wenn der Körper (Yin) ein Gefühl (Yang) darstellt, empfinden viele Menschen dieses Gefühl nach einiger Zeit wirklich. Die Empfindung ist in diesem Fall die Bewegung (Qi).

Ein weiterer Samen wächst

Yin und Yang sind Bilder, ebenso wie der Begriff Qi, für natürliche Prozesse. Die folgenden zwei Darstellung zeigen zum einen die traditionellen chinesischen Schriftzeichen für die Jahreszeiten Frühling und Sommer. Sie können als Hilfe für die Meditation genutzt werden. Zum anderen zeigen sie exemplarisch einen Wesenszug der jeweiligen Jahreszeit.

Eine gedankliche Meditation können die folgende Beschreibung ermöglichen:

Ein Waldrand am Rande einer Wiese, an den Bäumen zeigen sich zarte Knospen, es liegt leichter Nebel in der Luft, es ist feucht und kühl. Durch das Geäst der Bäume steigt langsam die junge, verhaltene Sonne auf, man kann das trommeln eines Buntspechts vernehmen, es freudige Spannung liegt in der Luft.

Ein Sonnenstrahl trifft durch das Geäst auf den feuchten, von Blättern bedeckten Bode. Ein Käfer kriecht vorbei. Durch die Blätter schiebt sich vorsichtig ein Grashalm der Sonne entgegen.

Die Kühle des Tau legt sich nieder und benetzt die zarten Pflanzen, die Luft ist klar und frisch. Ein leichter Windhauch lässt die Äste rauschen und in der Ferne plätschert leise eine Fluss dahin, genährt durch den abschmelzenden Schnee des letzten Winters.

Die Sonnenstrahlen wärmen den Boden und die Pflanzen, das Gras wird voller, aus den Knospen der Bäume werden Blätter, und erste Krokusse finden sich am Wegesrand. Ein Hund bellt und schnüffelt am Boden.

Dunkle Wolken kommen auf. Ein Regenschauer geht nieder, für einen Moment ist die Sonne verschwunden. Es donnert und die Grashalme biegen sich unter dem Wind und dem prasselnden Regen. Der Duft verrottender Blätter steigt auf, nachdem sich wieder einzelne Sonnenstrahlen durch den Wolkenvorhang durchbrechen. In der ferne kräht ein Hahn.

Die Farben der Pflanzen ändern sich, sie werden voller, prächtiger, die ganze Natur strahlt. Die Blumen und Gräser stehen, angefeuert durch die strahlende Sonne in voller blühte. Der betörende Duft von Veilchen liegt in der Luft und das kräftige Rot des Mohn ist auf Feldern zu sehen. Die Stengel der Hirse neigen sich zum Boden. So prall gefüllt sind ihre Ähren. Aus der Wiese ist eine Kuh Weide geworden. Die Bäume rauschen durch die milde Briese, welche eine angenehme Kühle bringt. Unter den Bäumen ist es angenehm schattig und das Moos bildet ein angenehmes Plätzchen um in der ferne die flirrende Luft zu betrachten und um dem Flug der Schwalben auf der Jagt nach fliegenden Insekten zu folgen. Welch angenehmer Ort um zu rasten.

Viel Freude beim meditieren

Das chinesische Zeichen für den Frühling.
Das chinesische Zeichen für den Sommer.
Menü