Schmerzen & Körper

Warum der Körper Ihr Verbündeter ist – ein tiefgreifendes Verständnis aus Sicht der TCM

Bei einigen Symptomen und Krankheitsbeschwerden kommt es schnell dazu, dass Menschen den eigenen Körper als Feind wahrnehmen. Dies gilt insbesondere bei chronischen Schmerzen (Nobis, 2020). Das Vertrauen in den eigenen Körper geht dann schnell verloren und Emotionen wie Angst und Wut tauchen auf.

Gerade während stressiger Zeiten äußeren viele Patienten in meiner Praxis, dass sie sich dadurch ausgebremst fühlen. Durch das Empfinden, dass der Körper einem etwas „Böses“ will, wird die Linderung schwieriger, da der positive Zugang zum Körper blockiert wird. Erst recht, wenn zunächst nichts so richtig helfen will und keine körperliche Ursache auszumachen ist. Im Sinne der chinesischen Medizin weist der Körper dabei durch die Schmerzen auf ein Ungleichgewicht hin und fordert sozusagen Beachtung ein, mehr dazu im Folgenden.

Welchen Sinn hat Schmerz und was hat die Zivilisation damit zu tun

Im Laufe der Zivilisation ging und geht das Körpergefühl von uns Menschen immer mehr verloren. Eine sitzende Lebensweise, fast ausschließlich Kopfarbeit und Ernährung im Überfluss sind dabei die wesentliche Faktoren. Hier gilt allerdings, dass sich der Geist verhältnismäßig schnell an diese Faktoren anpassen konnte, der Körper dieser Entwicklung aber hinterherhinkt (Ratey & Manning, 2015). Es ist daher wichtig zu betrachten, warum der Körper so reagiert, wie er reagiert, bevor man ihn als Feind abstempelt. Zwei Beispiele für negativ wahrgenommene Reaktionen und deren Sinn:

  1. Stress – Bereitet den Organismus optimal auf eine adäquate Reaktion in einer potentiell gefährlichen Situation vor
  2. Schmerz – Warnsignal, schützt den Organismus vor Verletzungen

In den Beispielen gilt, dass sie auch schwerwiegende Auswirkungen haben können, wenn sie entweder zu stark oder zu lang auf den Körper einwirken. Zunächst sind es aber notwendige Reaktionen des Körpers, um sein Überleben zu sichern.

Die Stress-Reaktion als ein Problem bei Schmerzen

Grundsätzlich kennt der Körper drei Möglichkeiten, auf emotionalen oder körperlichen Stress zu reagieren (Dana, 2021; Levine & Phillips, 2013). Kampf und Flucht sind die zwei meist bekannten Reaktionen. Wobei der Körper zusätzlich über eine dritte Option verfügt, wenn Kampf und Flucht nicht helfen. Er kann sich in diesem Fall totstellen. Was zunächst widersinnig erscheint, ist ein äußerst sinnvolles Instrument des Körpers.

Für Kampf oder Flucht mobilisiert der Körper Energie, verbessert die Durchblutung der Muskulatur und erhöht deren Vorspannung. Gleichzeitig steigt die Atem- und Herz-Frequenz. Die Sinne sind gleichzeitig in Alarmbereitschaft, um schnell wahrnehmen zu können, welche Reaktion am sinnvollsten ist.

Wenn allerdings beide Reaktionen nicht möglich sind und zur Lösung der Situation führen, dämpft der Körper die Wahrnehmung, also das Bewusstsein sowie das Schmerzempfinden. Gleichzeitig lässt die Muskelspannung nach, Atmung und Herzschlag sinken ab. Der Körper stellt sich tot, um sich für Leiden unempfänglich zu machen.

Evolutionär waren diese drei Reaktionen absolut überlebensnotwendig, heutzutage führen sie allerdings zu einigen Schwierigkeiten. Gerade die fehlende Körperwahrnehmung trägt hier dazu bei, dass sich die Stressreaktion nicht auflösen kann. Anders ausgedrückt der Körper stellt alles für eine regelrechte Stressreaktion zur Verfügung, die aufgebaute Muskelspannung kann sich aber nicht entladen, da Kampf oder Flucht in der heutigen Lebenswelt keine adäquaten Reaktionen sind. Dies kann aus Sicht der chinesischen Medizin und moderner Stressforschung dazu beitragen, dass funktionelle Beschwerden wie Verspannungen oder Verdauungsprobleme begünstigt werden.

Chronischen Schmerzen sind eine starke Belastung.

Ebenso hat auch die Totstellen-Reaktion weitreichende Auswirkungen. Früher waren Stressreaktionen in der Regel kurzzeitig notwendig, wohingegen heutzutage Stress ausgehalten werden muss. Dies fördert das Totstellen mit der Folge, dass das Körperbewusstsein vollkommen verloren geht. Häufige Symptome sind dabei das permanente Gefühl, nicht richtig mit seinem Körper verbunden zu sein und dauerhafte Müdigkeit sowie körperliche Schwäche.

Dadurch das die körperliche Stressreaktion nicht aufgelöst werden wird, kann es hier zu einem sich selbst erhaltenden Kreislauf kommen. Die ungelöste Stressreaktion löst beispielsweise durch Muskelschmerzen vermehrt Stress aus, was wiederum die Muskelanspannung verstärkt, wodurch die Schmerzen stärker werden. Die Folge können Panik und Angst aufgrund der zunehmenden Schmerzen sein.

Was sich dabei zunächst nach einer Fehlreaktion des Körpers anhört, kann ein Hinweis darauf sein, dass sich eine Stressreaktion noch nicht lösen konnte. An dieser Stelle sei noch mal daran erinnert, dass eine Stressreaktion sowohl emotional als auch körperlich ausgelöst werden kann. Der Körper als Verbündeter offenbart hier sozusagen, dass ein Konflikt noch nicht zum Ende gebracht wurde. Wie genau Stress und emotionale Faktoren zu chronischen Schmerzkreisläufen führen, erkläre ich ausführlich auf der Seite zu Schmerzen und Psyche.

Warnsignal Schmerz – akut oder chronisch

Akute Schmerzen führen in der Regel zu einer adäquaten Reaktion des Körpers, welche dazu führt, dass der Schmerzauslöser vermieden wird. In diesem Fall ist der Auslöser auch meist klar auszumachen. Je nach Ursache können aus akuten Schmerzen natürlich auch chronische Schmerzen werden. Im Sinne der Humanmedizin besteht hier bei chronischen Schmerzen allerdings ein großer Unterschied zu akuten Schmerzen.

Bestehen Schmerzen über einen längeren Zeitraum verselbstständigt sich etwas vereinfacht erklärt die Wahrnehmung der Schmerzen. Sie werden dadurch auch wahrgenommen, wenn die eigentliche Ursache nicht mehr vorhanden ist. Der Mediziner spricht hier vom sogenannten Schmerzgedächtnis.

Schmerzen lösen außerdem ganz wesentlich eine Stress-Reaktion aus. Dies führt gerade bei chronischen Schmerzen dazu, dass zusätzliche Beschwerden entsprechend der Kampf- oder Fluchtreaktion auftreten. Muskelverspannungen, Verdauungsbeschwerden, Reizbarkeit können dabei mögliche Symptome sein. Eine andere Reaktion wäre das Totstellen mit der Auswirkung von Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und körperlicher Schwäche. Diese Reaktionen werden von mir in der Praxis berücksichtigt um Menschen mit Schmerzen zu unterstützten.

Je nachdem, wie das Umfeld bei Schmerzen reagiert, können ebenfalls Konflikte und damit Stress entstehen. Dadurch sind chronischen Schmerzen eng mit der Stress-Reaktion verknüpft und werden häufig durch Emotionen beeinflusst.

Stress führt häufig zu Verspannungen.

Der Körper als Verbündeter bei Schmerzen im Sinne der chinesischen Medizin

Die chinesische Medizin unterscheidet sich von der Humanmedizin wesentlich darin, dass sie nicht zwischen Körper und Geist trennt. Daher besteht eine enge Wechselwirkung zwischen dem emotionalen Erleben und der körperlichen Wahrnehmung. Dieses tiefe Verständnis der Wechselwirkung von Psyche und Schmerz (Maciocia, 2009) bildet die Basis für meine Arbeit mit Patienten in meiner Praxis in Witten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der chinesischen Medizin ist ferner, dass sie den Menschen in unmittelbarer Wechselwirkung mit seiner Umwelt, das heißt mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen oder Jahreszeiten sieht und betrachtet. Dadurch können alle diese Aspekte genutzt werden, um den Körper zu beeinflussen, ganz im Sinne des biopsychosozialen Modells.

Emotionale Empfindungen oder körperliche Beschwerden zeigen mir dabei im Sinne der chinesischen Medizin in der Praxis an, dass etwas im Menschen nicht im Gleichgewicht ist. Durch die Jahrhunderte der Erfahrung hat sich dabei in der chinesischen Medizin eine umfangreiche Zusammenstellung ergeben, die beschreibt, welche Art von Ungleichgewicht besteht. Im Folgenden einige Beispiele:

  • Bei Schmerzen, welche auf das Wetter reagieren werden in der chinesischen Medizin häufig Wäremanwendungen empfohlen
  • Bei Schmerzen, welche in der Nacht auftreten bietet die chinesische Medizin spezifische Ansätze wie Arzneirezepturen an.
  • Bei Gefühlen wie Wut und Frust verfolgt hier die Akupunktur das Ziel, die mit den Gefühlen assoziierten energetischen Blockaden aus Sicht der chinesischen Medizin zu lösen.

Der Körper ist daher sowohl für den betroffenen Menschen als auch für mich als Therapeuten letztlich ein Verbündeter. Die Begründung liegt darin, dass körperliche Signale wertvolle Hinweise darauf liefern können, welche Bereiche im Fokus der Therapie stehen sollten. Er zeigt außerdem, welche Faktoren das Ungleichgewicht begünstigt haben könnten. Mit anderen Worten, ob die aktuellen Schwerpunkte der Belastung eher auf der physischen oder der emotionalen Ebene zu liegen scheinen. Dies gilt auch bei Schmerzen oder Stress. Als Schmerztherapie wird von mir dabei die Akupunktur genutzt. Es kann aber auch durchaus sinnvoll sein, zunächst eine Beruhigung des Nervensystems anzustreben, wie sie erfahrungsgemäß durch Arzneirezepturen unterstützt werden kann. Durch die chinesische Medizin nutze ich daher einen multimodalen Ansatz gerade in der Unterstützung von Menschen mit langandauernden Schmerzen in Witten und dem Ruhrgebiet.

  • Dana, D (2021). Die Polyvagal-Theorie in der Therapie. Probst Verlag
  • Ratey, D, Manning, R (2015). Zivilisationskrank: Wie wir unsere biologische Natur mit dem modernen Leben versöhnen. Bastei Lübbe Verlag
  • Levine, P; Phillips, M (2013). Vom Schmerz befreit: Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Kösel Verlag
  • Maciocia, G (2009). The Psyche in Chinese Medicine: Treatment of Emotional and Mental Disharmonies with Acupuncture and Chinese Herbs. Churchill Livingstone
  • Nobis H, Rolke R, Graf-Baumann T (2020). Schmerz – eine Herausforderung. Springer Verlag. https://www.springermedizin.de/schmerz-eine-herausforderung/18292866

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Rick Putzer – Heilpraktiker

In meiner Naturheilpraxis in Witten habe ich mich auf die Schmerztherapie spezialisiert. Ich nutze hier die Therapieformen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und bin Vollmitglied der AGTCM – Fachverband für Chinesische Medizin e.V. Mehr Informationen zur mir finden Sie im Bereich Person & Praxis.

Hinweis: Bei starken oder anhaltenden Schmerzen konsultieren Sie bitte zunächst umgehend einen Arzt, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen.

Bei akuten psychiatrischen Erkrankungen ist eine Behandlung in meiner Praxis nicht angezeigt und erfordert zwingend eine fachärztliche Intervention.

Die hier beschriebenen Verfahren der TCM (z.B. Leitbahntherapie) gehören zur Erfahrungsheilkunde und sind wissenschaftlich nicht in jedem Fall nach schulmedizinischen Standards belegt. Ein Heilversprechen kann nicht abgegeben werden. Mehr dazu in meinem Haftungsausschluss.

Wittener Naturheilpraxis: Fokus Schmerztherapeutische Begleitung

In meiner wittener Naturheilpraxis steht die schmerztherapeutische Begleitung von Menschen im Mittelpunkt. Jede Behandlung wird individuell auf die spezifischen Beschwerden abgestimmt. Mein Anliegen ist es, gemeinsam mit Ihnen Wege zu finden, die Ihnen helfen, wieder mehr persönlichen Frieden zu empfinden.

Als Heilpraktiker in Witten arbeite ich unabhängig von den gesetzlichen Krankenkassen; daher werden meine Leistungen in der Regel privat abgerechnet.