Schmerz aus Sicht der chinesischen Medizin
Die Grundlagen der chinesischen Medizin gehen auf den Gelben Kaiser der Inneren Medizin (黃帝內經 – Huangdi Neijing, ca. 80 v. Chr.) zurück. Schon in diesem umfassenden Werk finden sich ganze Abschnitte zur Behandlung von Schmerz. Als Ursache von akuten, als auch von chronischen Schmerzen werden in diesem Buch verschiedene Auslöser beschrieben.
Dabei waren gerade in den Ursprüngen der chinesischen Medizin die sogenannten äußeren Faktoren wie das Wetter entscheidend. Ein Beispiel in der heutigen Zeit dafür ist die Wetterfühligkeit, welche gerade bei vielen chronischen Schmerzpatienten eine Rolle spielt.
Gefühle und Emotionen bilden in der chinesischen Medizin eine weitere Ursache. Sie sieht dabei eine Einheit zwischen Körper, Geist und Seele. Wenn Gefühle ursächlich für die Schmerzen sind oder durch sie ausgelöst werden, handelt es sich dabei um die sogenannten inneren Faktoren. Dieser Ansatz steht nicht im Gegensatz zur Herangehensweise der Psychotherapie, sondern begreift sich als Ergänzung. Der oben erwähnte Gelbe Kaiser empfiehlt sogar explizit, Emotionen mit Emotionen zu behandeln (Yi Qing Sheng Qing 以情胜). Die Sichtweise ist dabei ganzheitlich und berücksichtigt biopsychosoziale Aspekte.
Neben den beiden erwähnten äußeren und inneren Faktoren könne die sonstigen Faktoren Schmerzen verursachen. Dazu zählen zum Beispiel die körperliche Überlastung, Untätigkeit, Tierbisse sowie die Ernährung und Verletzungen.
Diese drei Faktoren können auch zusammenwirken. So beobachte ich nicht selten, dass bei Patienten nach einer Verletzung im Bereich der abgeheilten Wunde Schmerzen im Winter auftreten. Selbiges gilt für Schmerzen, welche durch Emotionen besonders intensiv werden oder wenn Emotionen wie Frust und Wut durch chronische Schmerzen auftreten.