Atemübungen aus der chinesischen Medizin

Atem und Bewegung

Die Art und Weise der Atmung hat auch in der chinesischen Medizin einen zentralen Stellenwert. Aus dem Qi Gong oder Tai Chi gibt es hier verschiedene Atemübungen, welche das Wohlbefinden fördern können. Grundsätzlich bergen diese Atemtechniken so gut wie kein Risiko. Bei psychischen Beschwerden, Aneurysmen, niedrigem Blutdruck und akuten, schweren Erkrankungen sollte man allerdings auf sie verzichten. Wenn während einer Atemübung Schmerz oder Schwindel auftritt, gilt es außerdem die Übung zu unterbrechen.

Regelmäßig durchgeführt können die Übungen viele positive Auswirkungen auf den Organismus haben. Er wird besser mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt, die Lymphflüssigkeit wird mobilisiert, es entsteht Entspannung und der Stoffwechsel wird gefördert. Im Sinne der chinesischen Medizin wird somit Qi bewegt und der Geist beruhigt. Mehr zu den Übungen im Folgenden.

Wie ist die Atmung?

Zunächst hilft eine einfache Übung um zu schauen, ob die Atmung tief genug ist.

Hierfür eine Hand auf die Bauchdecke legen und nachspüren, ob sie sich durch die Atmung hebt und senkt. Ist dies der Fall, atmet man in den Bauch. Eine wunderbare Ausgangslage für weitere Atemübungen.

Wenn die Hand sich fast gar nicht hebt und senkt, ist die Atmung sehr flach. Hier empfiehlt es sich besonders Atemübungen in den Alltag zu integrieren.

Für den Einstieg bietet sich die sogenannte 4711 Atemtechnik nach Prof. Thomas Loew von der Universität Regensburg an. Sie stammt zwar nicht aus der chinesischen Medizin, unterstützt aber das regelrechte Atmen zu trainieren.

Die 4711 Atemtechnik

Die Übung ist denkbar einfach und kann im Sitzen als auch im Stehen durchgeführt werden. Einzig ein Wecker wäre hilfreich.

4 Sekunden einatmen

7 Sekunden ausatmen

11 Minuten täglich ein oder zweimal trainieren

Nach Möglichkeit bei der Ausatmung durch die Nase und nicht durch den Mund ausatmen.

Die Tǔnà Atmung

Diese besondere Atemtechnik stammt tatsächlich aus der chinesischen Medizin und ist eine der ältesten überlieferten Atemübungen. Tuna ist dabei die Kurzform von Tǔgǔ nàxīn (吐古納新). Übersetzt bedeutet dies so viel wie das Alte abgeben und das Neue aufnehmen. Wie in der chinesischen Schriftsprache üblich, ergeben sich durch die tiefere Analyse der Schriftzeichen weitere Implikationen. Tǔgǔ (吐古) steht für altes, verbrauchtes oder dreckiges, was auf dem Körper entfernt werden muss. Wohingegen nàxīn (納新) die absolut notwendige und essenzielle Aufnahme von Neuem bezeichnet.

Es handelt sich dabei also um sehr grundlegende Atemvorgänge, welche durch diese Übung gefördert werden sollen. Wie bei überlieferten Übungen üblich, gibt es auch hier verschiedene Ausführungen, insofern ist die Beschreibung im Folgenden eine mögliche Variante für die Tǔnà (吐納)-Atmung.

Die Übung wird auf dem Rücken liegend durchgeführt

Die Füße liegen etwas hüftbreit parallel nebeneinander, wobei die Fußspitzen nach oben gerichtet sind.

Eine Hand ruht auf dem Brustbein, die andere auf dem Unterbauch unterhalb des Nabels.

Der Geist beginnt die Atemzüge zu zählen, hierbei kann beispielsweise die 4711 Atmung genutzt werden

Bei der Einatmung bewegen sich die Füße nach innen, bis sich die großen Zehen berühren.

Während der Ausatmung wandern die Füße wieder zurück in die ursprüngliche Position.

Neben der reinen Atemtechnik sollte der Geist dabei auf zwei Dinge fokussiert sein:

Während der Einatmung gilt es sich zu vergegenwärtigen, alles Gute und Positive in den Körper aufzunehmen.

Im Umkehrschluss sollte der gedankliche Fokus während der Ausatmung darauf liegen, alles Belastende und Verbrauchte loszulassen.

Die Übung kann so lange durchgeführt werden, bis man das Gefühl hat, entspannt und ausgeglichen zu sein.

Für weitere Informationen und Übungen kann ich den Vortrag von David Wei an der Stanford Universität wirklich sehr empfehlen.

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