Rheumatoide Arthritis und chinesische Medizin

Die Hände sind Steif und die Gelenke tun weh

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Gelenkerkrankung des sogenannten rheumatischen Formenkreises. Aufgrund einer Autoimmunreaktion greift das Abwehrsystem körpereigene Strukturen an, in diesem Fall meist die kleinen Gelenke der Hände und/oder Füße.

Durch den entzündlichen Prozess kommt es zu ziehenden oder beißenden Schmerzen in den Gelenken. Häufig besteht auch eine Schwäche und Morgensteifigkeit. Je weiter der Krankheitsprozess fortschreitet, desto eher kommt es zu Gelenkverformungen, dadurch kann auch die Funktion der Hände beeinträchtigt sein.

Häufig sind dabei die ersten Symptome, welche mit dieser Erkrankung einhergehen, relativ unspezifisch, es bestehen leichte Schmerzen und Fieber, wodurch die anfängliche Erkrankung schnell als grippaler Infekt fehlgedeutet werden kann. Allerdings bleiben die Symptome weiterhin bestehen und werden immer schlimmer. Der Verlauf ist dabei häufig in Phasen. Bezeichnenderweise reagieren viele Rheumatiker sehr stark auf das Wetter für die einen ist der Sommer die Zeit der Verbesserung, für die anderen wiederum nicht. Einen starken Einfluss scheint auch die Luftfeuchtigkeit zu haben. Für viele Rheumatiker werden dadurch die Gelenkbeschwerden stärker.

Die Ursache für die Autoimmunreaktion des Körpers ist bisher noch unklar. Es werden allerdings verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen, wie virale Erkrankungen in der Vorgeschichte oder eine genetische Disposition.

Therapeutisch werden die Beschwerden mit drei verschiedenen Arten von Arzneimitteln behandelt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Basistherapeutika (DMARD), zu welchen MTX zählt, sowie Glukokortikoide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). So sinnvoll wie diese Medikamente sein können, haben sie doch häufig starke Nebenwirkungen. Außerdem sind bei bis zu 30% der Betroffenen die DMARD Medikamente nicht wirksam, so die Ärzte Wijbrandts und Tao (2017).

Wie beurteilt die chinesische Medizin die rheumatoiden Arthritis?

Tatsächlich ist die rheumatoide Arthritis mit ihren Symptomen schon seit mehr als 2000 Jahren in der chinesischen Medizin bekannt, sie wird allerdings anders bezeichnet. Die verwendete Diagnose ist Bi Zheng 痺證, was wortwörtlich übersetzt Blockade-Syndrom heißt. Ähnlich wie der Begriff rheumatoide Arthritis bezieht sich das Bi-Syndrom daher auf Erkrankungssymptome – die Gelenke sind nicht mehr frei beweglich. Die folgenden Diagnosen und Behandlungsstrategien sind Teil der Schmerztherapie der chinesischen Medizin. Es werden hier zumindest vier verschiedene Ausprägungen diagnostisch unterschieden:

  • Wanderndes Bi mit wechselnden Schmerzen, die Gelenke sind schmerzhaft und geschwollen
  • Schmerzhaftes Bi mit starken, sowie punktuelle Schmerzen, Kältegefühl
  • Fixiertes Bi, hier fühlen sich die Gelenke schwer an und es bestehen Gelenkschwellungen
  • Fieberhaftes Bi, die Gelenke sind geschwollen, entzündet und es bestehen brennende Schmerzen

Hierbei können alle Gewebe (Haut, Muskeln, Sehnen, Knochen, Gefäße) betroffen sein. Wird die Erkrankung schlimmer, können Herz- und Lungenbeschwerden, Verdauungsbeschwerden oder zusätzlich neurologische Beschwerden auftreten. Dadurch wird ersichtlich, dass das Blockade-Syndrom nicht nur für die rheumatoide Arthritis Anwendung findet, sondern für viele weitere Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis.

Wie behandelt die chinesische Medizin die rheumatoiden Arthritis ?

In der Behandlung der rheumatoiden Arthritis kommen je nach Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist allerdings die Akupunktur und Kräuterrezepturen. Außerdem kann es neben der Schmerzlinderung sinnvoll sein, den Körper mit therapeutisch zu unterstützen, wenn die Erkrankung sehr schwerwiegend verläuft.

Hierbei werden beide Verfahren immer individuell angepasst und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Es gibt hier kein Schema F für eine Behandlung. Neben der Anamnese ist außerdem eine genaue körperliche Untersuchung als Teil der Leitbahntherapie nach Dr. Wang Ju-Yi hilfreich. Dies dient dazu, die Behandlung so genau wie möglich zu gestalten. Gerade die Akupunktur zeigt hier ihre Stärken. Je nachdem wie der Schmerzcharakter ist und wo die Schmerzen verortet sind, werden andere Akupunkturpunkte verwendet, um zu behandeln. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich im Bereich: Mit mir arbeiten.

Was sagen die Studien zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und chinesischen Medizin?

Pan et al. (2019) fassen in Übersichtsarbeit den Aktuellen Stand wie folgt zusammen: Die chinesische Medizin insgesamt hat ein großes Potenzial in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis, insbesondere da individuelle Behandlung gerade bei diesem Krankheitsbild angebracht erscheinen. Obwohl die chinesische Medizin dabei auf eine umfangreiche Erfahrung in der Behandlung zurückgreifen kann, fehlen doch zumindest aus dem Gesichtspunkt der evidenzbasierten Medizin (EbM) wichtige Daten. Beispielsweise kann gezeigt werden, dass Arzneirezepturen helfen können, allerdings ist der Wirkstoff unklar.

Diese Lücke wurde zumindest in Ansätzen durch die Übersichtsarbeit von Xia et al. (2020) geschlossen. Sie untersuchten die verschiedenen Behandlungsempfehlungen der chinesischen Medizin, um die entsprechenden Arzneipflanzen zu sammeln. Dies ermöglicht weitere Forschung im Bereich der Wirkstoffe.

Ähnlich wird die Studienlage von Zhang et al. (2011) beurteilt. Es gibt viele Studien, welche eine positive Wirkung nachweisen können allerdings sind die verwendeten Behandlungen sehr unterschiedlich. Beispielsweise werden sehr viele verschiedene Kräuterrezepturen verwendet. Das heißt für den Patienten, dass er in der Regel individuell behandelt wurde.

Um eine weitere Verbindung zwischen der EbM und der chinesischen Medizin herzustellen, untersuchten die Ärzte Seca und Franconi (2018) verschiedene Studien darauf, ob es einen Zusammenhang zwischen Labormarkern der Humanmedizin und den vier verschiedene Bi-Syndromen gibt. Interessanterweise konnten sie nachvollziehen, dass sich hier eine Korrelation besteht.

Bezogen auf die Behandlung durch Akupunktur ist die Studienlage eindeutiger. Die systematische Übersichtsarbeit von Chou und Chu (2018) konnte umfassend zeigen, dass Akupunktur eine sichere und nebenwirkungsarme Behandlung für rheumatoide Arthritis ist.

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