Karpaltunnelsyndrom und Akupunktur

Die Finger werden Taub und kribbeln

Das sogenannte Karpaltunnelsyndrom beschreibt als Diagnose eine Verengung des Karpaltunnels im Bereich der Handwurzel und die dadurch auftretenden Symptome. Durch diesen Tunnel verläuft der Nervus medianus, welcher insbesondere den Daumen, den Zeigefinger sowie den Mittelfinger innerviert. Das heißt, durch den Nerv werden Empfindungen und motorische Signale zum Nervensystem ausgetauscht.

Durch die Verengung im Bereich der Handwurzel wird der Nerv komprimiert und es kommt zu typischen Symptomen wie Schmerzen und Missempfinden im vom Nerv versorgten Gebiet. Häufig handelt es sich dabei um kribbelnde oder nadelstichartige Schmerzen, diese können auch in den Arm ausstrahlen.

Manchmal werden diese Symptome durch bestimmte Bewegungen oder Belastung ausgelöst. Dies ist allerdings meist nur zu Beginn der Erkrankung der Fall. Darüber hinaus kann der Schmerz erst in der Nacht auftreten, wodurch die Schlafqualität und Erholung erheblich leiden kann. Schreitet der Krankheitsprozess weiter fort, kann der Nerv nachhaltig geschädigt werden. Als Folge treten dauerhafte Sensibilitätsstörungen in den Fingern auf und die Daumenballenmuskulatur bildet sich zurück.

Die Verengung kann durch verschiedene Grunderkrankungen ausgelöst sein, aber auch durch körperliche Belastung oder eine Schwangerschaft auftreten.

Die Behandlung erfolgt meist konservativ durch Ruhigstellung des Handgelenks in der Nacht über eine Handgelenksschiene sowie durch Kortisoninjektionen. Bessern sich die Beschwerden nicht, besteht noch die Möglichkeit einer Operation, bei welcher der Karpaltunnel durch Spaltung der Ligamentum carpi transversum erweitert wird.

Wie beurteilt die chinesische Medizin das Karpaltunnelsyndrom?

Die chinesische Medizin kennt die Erkrankung unter einem anderen Namen, aber mit vergleichbaren Symptomen. Die Ursachen sind hier im Sinne der chinesischen Medizin eine Überbelastung der Muskeln und Sehnen oder eine Belastung durch äußere Einflüsse wie Kälte und Feuchtigkeit. Häufig sind dabei beide Formen auch zusammen verallgemeinert. Diese Diagnosen und die Behandlungsstrategien sind Teil der Schmerztherapie der chinesischen Medizin. Je nach Ursache gestaltet sich die Behandlung anders.

Wie behandelt die chinesische Medizin das Karpaltunnelsyndrom?

In der Behandlung der Schmerzsymptomatik kommen je nach Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist allerdings die Akupunktur und eine Wärmebehandlung mit Moxa.

Hierbei werden beide Verfahren immer individuell angepasst und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Neben der Anamnese ist außerdem eine genaue körperliche Untersuchung als Teil der Leitbahntherapie nach Dr. Wang Ju-Yi hilfreich. Dies dient dazu, die Behandlung so genau als möglich zu gestalten. Gerade die Akupunktur zeigt hier ihre Stärken. Je nachdem wie der Schmerzcharakter ist und wo die Schmerzen verortete sind, werden andere Akupunkturpunkte verwendet, um zu behandeln. Es gibt hier keine Schema F für eine Behandlung. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich im Bereich: Mit mir arbeiten.

Was sagen die Studien zur Behandlung des Karpaltunnelsysndroms und Akupunktur?

Die Meta-Analyse durch Choi et al. (2018) der Cochrane Collaboration kommt zu keinem abschließenden Ergebnis, ob Akupunktur beim Karpaltunnelsyndrom helfen kann. Nach Meinung der Autoren ist die Studienlage nicht eindeutig. Die fehlende Verblindung der Behandler in den Studien sowie die Studienteilnehmergröße machte es nur eingeschränkt möglich, die Wirksamkeit der Akupunktur zu beurteilen. Daher hängt die Wahl für Akupunktur von der Verfügbarkeit, dem finanziellen Hintergrund und persönlichen Vorlieben ab.

Eine hochwertige Studie durch Bahrami-Taghanaki et al. (2020) kommt anders als die Meta-Analyse zu einem klaren Ergebnis. Im Vergleich der zwei Studiengruppen (Akupunkturgruppe und Kontrollgruppe) war die Verbesserung der Symptome in der Akupunkturgruppe besser. In beiden Gruppen wurde eine Handgelenksschiene verwendet. Dies deckt sich mit dem Ergebnis von Yang et al. (2009). Im Vergleich verbesserte die Akupunktur im Vergleich zur Prednisolone Behandlung die Beschwerden, sodass Akupunktur für zumindest milde bis moderate Symptome empfohlen wird.

Eine Studie aus China, durchgeführt durch Chen et al. (2017) untersuchte daher, inwieweit lokale Akupunktur sich in der Wirkung von der distale Akupunktur unterscheidet. Diese Studie wurde bezeichnenderweise nicht in der Meta-Analyse von Choi et al. (2018) verwendet, da in ihr Akupunktur mit Akupunktur verglichen wurde. Interessanterweise war in der Behandlung die distale Akupunktur in der Verbindung mit der lokalen Behandlung erfolgreicher.

Die Studie von Khosrawi et al. (2012) wurde ebenfalls nicht in der oben erwähnten Meta-Analyse der Cochrane Collaboration verwendet. Die Studie kommt zu einem positiven Ergebnis für die echte Akupunktur (Verum) in der Behandlung im Vergleich mit einer Behandlung mit Vit. B1, B6 Schein-Akupunktur (Sham). In dieser Studie wurde wieder in beiden Gruppen eine zusätzliche Handgelenksschiene verwendet. Die Verum-Akupunktur linderte dabei die Symptome deutlich besser als in der Vergleichsgruppe. Dabei könnte die unterschiedliche Wirkung damit zusammenhängen, dass nur die Verum-Akupunktur die Schmerzverarbeitung im somatosensorischen Cortex verändert. Dies zeigte die Studie von Maeda et al. (2017).

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Akupunktur für milde bis moderate Symptome des Karpaltunnelsyndroms eine mögliche Behandlungsmethode darstellt. Bei stärkeren Beschwerden ist die OP notwendig, um einen möglichen dauerhaften Schaden des Nervus medianus abzuwenden. Eine Handgelenksschiene unterstützt zusätzlich dabei die Behandlung.

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