Der Körper als Verbündeter

Chronische Schmerzen und Stress

Bei einigen Krankheitsbeschwerden kommt es schnell dazu, dass man den eigenen Körper als Feind wahrnimmt. Was sollen diese Schmerzen oder diese Verspannungen sind dabei mögliche Fragen an sich selbst. Gerade während stressiger Zeiten wird man so schnell ausgebremst.

Durch das Empfinden, dass der Körper einem etwas „Böses“ will, wird allerdings die Linderung schwieriger, da dadurch der positive Zugang zum Körper blockiert wird.

Dies gilt insbesondere bei chronischen Schmerzen. Schnell ist man hier geneigt, den Körper mit seinen Beschwerden als Feind wahrzunehmen. Erst recht, wenn zunächst nichts so richtig helfen will und keine körperliche Ursache auszumachen ist. Das Vertrauen in den eigenen Körper geht dann schnell verloren und Emotionen wie Angst und Wut tauchen auf.

Tatsächlich reagiert der Körper dabei meist vollkommen regelrecht, um sich selbst zu schützen und um auf ein Ungleichgewicht aufmerksam zu machen. Er fordert sozusagen Beachtung ein und ist ein Verbündeter. Mehr dazu im Folgenden.

Der Körper tut das Richtige

Im Laufe der Zivilisation ging und geht das Körpergefühl immer mehr verloren. Eine sitzende Lebensweise, fast ausschließlich Kopfarbeit und Ernährung im Überfluss sind dabei die maßgeblichen Faktoren. Hier gilt allerdings, dass sich der Geist verhältnismäßig schnell an diese Faktoren anpassen konnte, der Körper dieser Entwicklung aber hinterherhinkt. So ist der menschliche Organismus noch in keiner Weise an das umfangreiche Nahrungsangebot, welches 24 Stunden am Tag verfügbar ist, von seiner Stoffwechselleistung angepasst. Der Stoffwechsel-Modus ist hier meist noch auf lange Hungerperioden eingestellt. Weniger ist in diesem Fall manchmal mehr. Die Folge zeigen sich an den rasant steigenden Zahlen von an Übergewicht und Diabetes mellitus leidenden Menschen. Es ist daher durchaus wichtig zu betrachten, warum der Körper so reagiert, wie er reagiert, bevor man ihn als Feind abstempelt. Zwei Beispiele für negativ wahrgenommene Reaktionen und deren Sinn:

  1. Stress – Bereitet den Organismus optimal auf eine adäquate Reaktion in einer potentiell gefährlichen Situation vor
  2. Schmerz – Warnsignal, schützt den Organismus vor Verletzungen

In den Beispielen gilt natürlich, dass sie auch schwerwiegende Auswirkungen haben können, wenn sie entweder zu stark oder zu lang auf den Körper einwirken. Zunächst sind es aber notwendige Reaktionen des Körpers, um sein Überleben zu sichern.

Die Lebensweise bestimmt ganz wesentlich das Körpergefühl.

Die Stress-Reaktion

Grundsätzlich kennt der Körper drei Möglichkeiten, auf emotionalen oder körperlichen Stress zu reagieren. Kampf und Flucht sind die zwei meist bekannten Reaktionen. Wobei der Körper zusätzlich über eine dritte Option verfügt, wenn Kampf und Flucht nicht helfen. Er kann sich in diesem Fall tot stellen. Was zunächst widersinnig erscheint, ist ein äußerst sinnvolles Instrument des Körpers.

Für Kampf oder Flucht mobilisiert der Körper Energie, verbessert die Durchblutung der Muskulatur und erhöht deren Vorspannung. Gleichzeitig steigt die Atem- und Herz-Frequenz. Die Sinne sind gleichzeitig in Alarmbereitschaft, um schnell wahrnehmen zu können, welche Reaktion am sinnvollsten ist.

Wenn allerdings beide Reaktionen nicht möglich sind und zur Lösung der Situation führen, dämpft der Körper die Wahrnehmung, also das Bewusstsein sowie das Schmerzempfinden. Gleichzeitig lässt die Muskelspannung nach, Atmung und Herzschlag sinken ab. Der Körper stellt sich tot, um sich für Leiden unempfänglich zu machen.

Evolutionär waren diese drei Reaktionen absolut überlebensnotwendig, heutzutage führen sie allerdings zu einigen Schwierigkeiten. Gerade die fehlende Körperwahrnehmung trägt hier dazu bei, dass sich die Stressreaktion nicht auflösen kann. Anders ausgedrückt der Körper stellt alles für eine regelrechte Stressreaktion zur Verfügung, die aufgebaute Muskelspannung kann sich aber nicht entladen, da Kampf oder Flucht in der heutigen Lebenswelt keine adäquaten Reaktionen sind. Die Folge sind Verspannungen und häufig Verdauungsbeschwerden.

Ebenso hat auch der Totstellreflex weitreichende Auswirkungen. Früher waren Stressreaktionen in der Regel kurzzeitig notwendig, wohingegen heutzutage Stress ausgehalten werden muss. Dies fördert das Totstellen mit der Folge, dass das Körperbewusstsein vollkommen verloren geht. Häufige Symptome sind dabei das permanente Gefühl, nicht richtig mit seinem Körper verbunden zu sein und dauerhafte Müdigkeit sowie körperliche Schwäche.

Dadurch das die körperliche Stressreaktion nicht aufgelöst werden wird, kann es hier zu einem sich selbst erhaltenden Kreislauf kommen. Die ungelöste Stressreaktion löst beispielsweise durch Muskelschmerzen vermehrt Stress aus, was wiederum die Muskelanspannung verstärkt, wodurch die Schmerzen stärker werden. Die Folge können Panik und Angst aufgrund der zunehmenden Schmerzen sein.

Was sich dabei zunächst nach einer Fehlreaktion des Körpers anhört, zeigt letztendlich zunächst, dass sich eine Stressreaktion noch nicht lösen konnte. An dieser Stelle sei noch mal daran erinnert, dass eine Stressreaktion sowohl emotional als auch körperlich ausgelöst werden kann. Der Körper als Verbündeter offenbart hier sozusagen, dass ein Konflikt noch nicht zum Ende gebracht wurde.

Stress führt häufig zu Verspannungen.

Warnsignal Schmerz

Akute Schmerzen führen in der Regel zu einer adäquaten Reaktion des Körpers, welche dazu führt, dass der Schmerzauslöser vermieden wird. In diesem Fall ist der Auslöser auch meist klar auszumachen. Je nach Ursache können aus akuten Schmerzen natürlich auch chronische Schmerzen werden. Im Sinne der Humanmedizin besteht hier bei chronischen Schmerzen allerdings ein großer Unterschied zu akuten Schmerzen.

Bestehen Schmerzen über einen längeren Zeitraum, verselbstständigt sich etwas vereinfacht erklärt die Wahrnehmung der Schmerzen. Sie werden dadurch auch wahrgenommen, wenn die eigentliche Ursache nicht mehr vorhanden ist. Der Mediziner spricht hier vom sogenannten Schmerzgedächtnis. Die chinesische Medizin betrachtet hier das Schmerzgedächtnis aus einem anderen Blickwinkel und eröffnet dadurch eine Behandlung auch bei chronischen Schmerzen.

Schmerzen lösen außerdem ganz wesentlich eine Stress-Reaktion aus. Dies führt gerade bei chronischen Schmerzen dazu, dass zusätzliche Beschwerden entsprechend der Kampf- oder Fluchtreaktion auftreten. Muskelverspannungen, Verdauungsbeschwerden, Reizbarkeit können dabei mögliche Symptome sein. Eine andere Reaktion wäre das Totstellen mit der Auswirkung von Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und körperlicher Schwäche.

Je nachdem, wie das Umfeld reagiert, können diese Reaktionen ebenfalls Konflikte und damit Stress fördern. Dadurch sind chronischen Schmerzen eng mit der Stress-Reaktion verknüpft und werden häufig durch Emotionen beeinflusst. Im Sinne der chinesischen Medizin lässt sich auch bei Schmerzen festhalten, dass der Körper als Verbündeter agiert, indem er zeigt, wo er Hilfe benötigt.

Chronischen Schmerzen sind eine starke Belastung.

Der Körper als Verbündeter im Sinne der chinesischen Medizin

Die chinesische Medizin unterscheidet sich von der Humanmedizin wesentlich darin, dass sie nicht zwischen Körper und Geist trennt. Daher besteht eine enge Wechselwirkung zwischen dem emotionalen Erleben und der körperlichen Wahrnehmung.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der chinesischen Medizin ist ferner, dass sie den Menschen in unmittelbarer Wechselwirkung mit seiner Umwelt, das heißt mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen oder Jahreszeiten sieht und betrachtet. Dadurch können alle diese Aspekte genutzt werden, um den Körper zu beeinflussen.

Emotionale Empfindungen oder körperliche Beschwerden zeigen dabei im Sinne der chinesischen Medizin an, dass etwas im Menschen nicht im Gleichgewicht ist. Durch die Jahrhunderte der Erfahrung hat sich dabei in der chinesischen Medizin eine umfangreiche Zusammenstellung ergeben, die beschreibt, welche Art von Ungleichgewicht besteht. Der Körper ist daher sowohl für den betroffenen Menschen als auch für den Therapeuten im wahrsten Sinne ein Verbündeter. Er zeigt ganz offen, wo er Unterstützung benötigt und häufig auch, wodurch das Ungleichgewicht entstanden ist. Mit anderen Worten, ob die Ursache eher im körperlichen zu verorten ist oder im emotionalen. Dies gilt auch bei Schmerzen oder Stress. Als Schmerztherapie kann dabei die Akupunktur genutzt werden. Es kann aber auch durchaus sinnvoll sein, zunächst das Nervensystem zu beruhigen, wie es durch Meditation oder Arzneirezepturen möglich ist.

Die chinesische Medizin nutzt daher einen multimodalen Ansatz gerade in der Behandlung von chronischen Schmerzen und betrachtet den Körper stets als Verbündeten.

Der Körper ist ein Verbündeter.