Knieschmerzen und Akupunktur

Ob Anlaufschmerzen oder stechende Beschwerden, die Knie sind oft betroffen

Knieschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom, fast jeden erwischt es mal (RKI, 2017). Dies ist nicht verwunderlich, sind die Knie doch ständig unter Belastung, sei es beim Einkaufen, Autofahren oder während der Gartenarbeit. Es ist daher eines der häufigsten Krankheitsbilder in der orthopädischen Praxis, allerdings auch beim Heilpraktiker in der Naturheilpraxis.

Je nach Ursache können hier verschiedene Tätigkeiten die Schmerzen verursachen. Die Spannweite reicht von Knorpelschäden durch Fehlbelastung über Verletzungen bis hin zu rheumatoiden Erkrankungen und Verschleiß (Kniearthrose = Gonartrhose).

Diagnostisch werden häufig bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder Röntgen verwendet. Wobei es hier gerade im Bereich von Schmerzen starke Zweifel an der Aussagekraft der Befunde gibt (Nobis, 2020).

Die Behandlung im Sinne der Humanmedizin richtet sich meist nach Art der Beschwerden und umfasst Schmerzmedikamente, die Unterstützung des Kniegelenks mit einer Schiene sowie die Physiotherapie.

Als Ultima Ratio besteht die Möglichkeit der sogenannten Knietotalendoprothese, das heißt der künstliche Ersatz des Kniegelenks. Zuvor sollte zumindest für 6 Monate eine nicht operative Behandlung erfolgen (Leitlinie – Gonarthrose). Wie jede Operation birgt dieser Weg gewisse Risiken, welche es gilt abzuwägen, denn dieser Eingriff verspricht nicht in allen Fällen die gewünschte Schmerzlinderung. Annähernd 25% aller Betreffenden haben auch nach dieser Operation bleibende Schmerzen im Bereich des Knies (Wülker, 2015).

Die Folgebehandlung gestaltet sich in diesem Fall als äußerst schwierig, da die eigentlich vermutete Schmerzursache – das Kniegelenk – nicht mehr vorhanden ist. Die chinesische Medizin bietet hier einen anderen Blickwinkel auf die Beschwerden und bietet einen umfassenden therapeutischen Rahmen.

Wie beurteilt die chinesische Medizin Knieschmerzen?

Auch die Menschen in China kennen natürlich verschiedene Arten von Knieschmerzen. Unter dem Gesichtspunkt der chinesischen Medizin werden diese allerdings anders als in der Humanmedizin beurteilt. Der sogenannte Schmerzcharakter und die Art und Weise des Schmerzes steht hier in der Behandlung/Diagnose im Zentrum. Daher unterscheidet die chinesische Medizin verschiedene Arten von Schmerzen, welche die Diagnose beeinflussen und leiten. Der Blickwinkel ist hierbei ein ganzheitlicher, das heißt auch Beschwerden außerhalb des Kniegelenks können wichtig sein.

  • Chronische Schmerzen welche durch das Wetter beeinflusst werden
    • Wechseln den Ort am Knie, es bestehen Schwellungen
    • Stechende, sehr punktuelle Schmerzen, im Winter werden diese schlimmer
    • Die Schmerzen sind eher von dumpfer Natur, auch hier ist das Kniegelenk geschwollen, die Beine fühlen sich schwer an
    • Brennende Schmerzen, das klassische entzündete Knie
  • Chronische Schmerzen durch Operationen, Verletzungen, häufig in der Nacht schlimmer
  • Chronischer Belastungsschmerz mit Müdigkeit und Muskelschwäche
  • Chronische eher dumpfe Schmerzen in beiden Knien, häufig mit Anlaufbeschwerden und Beschwerden im unteren Rücken
    • Die Beschwerden werden durch Kälte besser
    • Die Beschwerden werden durch Wärme besser
  • Subakute Kniebeschwerden, welche durch bestimmte Nahrungsmittel schlimmer werden

Die verschiedenen Schmerzarten können sich natürlich auch überschneiden oder gleichzeitig bestehen. Neben dem Schmerzcharakter ist der Ort der Schmerzen sehr wichtig. Dies leitet insbesondere in der Akupunktur die Auswahl der Akupunkturpunkte. Ursächlich sieht die chinesische Medizin insbesondere die körperliche Belastung mit ihren Verschleißerscheinungen sowie die Einflüsse des Wetters gerade für chronische Knieschmerzen als maßgeblich an.

Außerdem sind auch nicht regelrecht abgeheilte Verletzungen eine nicht außer Acht zu lassende Ursache. Diese Diagnosen und daraus abgeleiteten Behandlungsstrategien sind Teil der Schmerztherapie der chinesischen Medizin. Je nach Ursache gestaltet sich daher die Behandlung anders.

Wie behandelt die chinesische Medizin Knieschmerzen?

In der Behandlung von Knieschmerzen kommen je nach Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist allerdings die Akupunktur, Kräuterrezepturen und Kräuterauflagen. Außerdem kann es neben der Schmerzlinderung sinnvoll sein, den Körper mit Arzneirezepturen und der Akupunktur zu unterstützen, wenn die Erkrankung sehr schwerwiegend verläuft.

Hierbei werden beide Verfahren immer individuell angepasst und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Es gibt hier kein Schema F für eine Behandlung. Neben der Anamnese ist außerdem eine genaue körperliche Untersuchung als Teil der Leitbahntherapie nach Dr. Wang Ju-Yi hilfreich. Dies dient dazu, die Behandlung so genau als möglich zu gestalten. Gerade die Akupunktur zeigt hier ihre Stärken. Je nachdem wie der Schmerzcharakter ist und wo die Schmerzen verortete sind, werden andere Akupunkturpunkte verwendet, um zu behandeln. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich im Bereich: Mit mir arbeiten.

Was sagen die Studien zur Behandlung von Knieschmerzen und Akupunktur?

Die Behandlung von Gelenkbeschwerden, insbesondere der Kniegelenksarthrose wurde schon in der WHO Übersichtsarbeit zur Akupunktur (1996) aufgrund verschiedener klinischer Studien empfohlen. Trotzdem dauerte es noch bis 2007 in Deutschland, dass diese Empfehlung umgesetzt wurde. Wobei die Art der Umsetzung nicht ganz ohne Folgen in der Wahrnehmung der Akupunktur grundsätzlich ist. Dies soll hier näher beleuchtet werden.

Aufgrund eines Beschlusses aus dem Jahr 2001 wurde die bisher größte Studie zur Akupunktur in Deutschland durchgeführt – die sogenannte GERAC-Studie. In ihr wurde unter anderem die Wirkung der Akupunktur im Vergleich mit einer Scheinakupunktur und der konservativen Behandlung verglichen. Ziel war es, die Effektivität der Akupunktur zu beurteilen. Die Ergebnisse wurden 2007 veröffentlicht (Streitberge et al, 2007). Hierbei war die Akupunktur der konservativen Behandlung um den Faktor zwei überlegen. Konsequenterweise wurde nach dem Erscheinen dieser Studie die Akupunktur unter bestimmten Bedingungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bei einem Vertragsarzt aufgenommen. Die Anforderungen an die Akupunkturausbildung des Arztes für Erstattung durch die Krankenkassen sind hierbei allerdings minimal. Zum damaligen Stand (2007) war ein A-Diplom mit 140 Unterrichtseinheiten ausreichend (Schnorrenberger, 2005). Dadurch konnten relativ viele Patienten diese Leistung in Anspruch nehmen, da diese Behandlung flächendeckend möglich war und ist. Allerdings ist es für Patienten nur schwer möglich, eine fachlich hochwertige Akupunktur von einer schnell durchgeführten zu unterscheiden. Diese Entwicklung darf durchaus kritisch betrachtet werden, wenn die Akupunkturbehandlung aufgrund mangelnder Fachlichkeit nicht wirkt und dadurch der Eindruck entsteht, dass dieses Verfahren insgesamt unwirksam ist (Trinczek, 2015).

Die Ergebnisse der GERAC-Studie werden auch in neuen Übersichtsarbeiten zur Akupunktur- und Kräuterbehandlung der Kniegelenksarthrose (Hou et al, 2015, Yang et al., 2017) bestätigt. In einer Übersichtsarbeit von Wang et al. (2020) konnten außerdem die Wirkmechanismen der Akupunktur und weiteren Verfahren der chinesischen Medizin in der Behandlung der Kniegelenksarthrose beschrieben werden. Es lässt sich daher festhalten, dass die Behandlungsverfahren Kniegelenksbeschwerden lindern können.

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