Was tun bei depressiver Verstimmung

Stimmungsaufhellung und chinesische Medizin

Depressionen sind ein weltweites Thema in der Gesundheitsversorgung. Dies gilt insbesondere innereuropäisch für Deutschland, hier sind im Vergleich zu anderen EU-Staaten mehr Bürger betroffen. Die typischen Symptome dabei sind depressive Verstimmung, vermindertes Interesse, Gewichts- oder Appetitverlust, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung, Müdigkeit oder Energieverlust, Wert­losigkeits- oder Schuldgefühle sowie Konzentrationspro­bleme. Fast jeder fünfte Bundesbürger leidet einmal in seinem Leben an einer medizinisch diagnostizierten Depression, wobei die wahrscheinlichkeit im Alter leicht zunimmt. Grundsätzlich steigen die Zahlen weltweit. Ein Trend, welcher von nicht wenigen Experten durchaus kritisch gesehen wird. So zeigt die Dokumentation der französischen Journalistin Michèle Dominici Depression – Eine Krankheit erobert die Welt auf, dass durch eine Änderung der Diagnosekriterien mehr Menschen an Depression leiden.

Dadurch werden normale Emotionen wie Trauer nach dem Verlust manchmal unnötigerweise pathologisiert. Ein Trend, welchen die Psychiater Springer-Kremser und Springer daher kritisch sehen. Was nicht heißt, dass die Betroffenen keinen Leidensdruck haben, nur ist die Deutung unterschiedlich, wenn Emotionen als Krankheit oder als Ausdruck eines natürlichen Erlebens betrachtet werden.

Die chinesische Medizin geht hier einen anderen Weg. Entscheidend ist das persönliche Empfinden und die Beschwerden, welche belasten. Aus diesem Ansatz heraus gibt es für die Unterstützung bei emotionalen Schwierigkeiten kein Schema F. Es ist daher wichtig immer ein individuelles Behandlungskonzept zu erstellen. Aufgrund der langen Medizintradition der chinesischen Medizin gibt es allerdings verschiedene Behandlungsmuster, welche eine lockere Richtschnur vorgeben. Wie ich in der Behandlung vorgehe beschreibe ich im Bereich mit mir arbeiten. Da die chinesische Medizin den Fokus auf die körperlichen Auswirkungen und Empfindungen legt, habe ich mit der Leitbahnpalpation ein sehr genaue diagnostische Methode, um den Körper gezielt zu regulieren. Im Umkehrschluss können sich dadurch Emotionen lösen und Anspannungen vermindern.

Wie kann die chinesische Medizin bei depressiver Verstimmung helfen

Die chinesische Medizin kennt seit ihren Anfängen verschiedene Begriffe, welche heute mit der westlichen Bezeichnung Depressive Verstimmung verknüpft werden. Jeder dieser Begriffe beschreibt typische Symptome einer Verstimmung, verknüpft damit aber eine andere Behandlung. Yu Zheng 郁证 beschreibt die typische Niedergeschlagenheit, es fehlt die Motivation zur Bewegung, zum Austausch und die Stimmung ist gedrückt. Eng damit verknüpft ist der sprichwörtliche Kloß im Hals, was als Mei He Qi 梅核气 bezeichnet wird. Es fehlt die Kraft, das auszudrücken, was man sagen möchte und die Wörter bleiben fast im Hals stecken.

Die Verstimmung kann sich aber auch in einer Neigung zum Weinen, unbestimmter Traurigkeit und Unruhe zeigen. In der chinesischen Medizin wird dies als Zang Zao 臟躁 bezeichnet. Weitere Empfindungen zeigen sich im sogenannten Bai He Bing 百合病 Muster. Die Stimmung ist niedergeschlagen, man ist müde, findet aber im Bett keine Ruhe. Außerdem wechselt die Körpertemperatur von heiß nach kalt und man hat keinen Hunger. Schlägt die Stimmung in Angst um, das Herz schlägt schneller und der Bauch wird flau spricht der Therapeut vom Xin Ji Zheng Chong 心悸怔忡 Muster.

Die beschriebenen Muster zeigen auf, dass mit der chinesische Medizin schon sehr lange emotionale Beschwerden behandelt wurden. Gehen doch die Ursprünge der Muster im Wesentlichen auf das Buch Jingui Yaolüe 金匮要略 zurück, welches während der Han-Dynastie (25 – 220 n. Chr) von Zhang Zhong Jing verfasst wurde. Je nach Muster werden andere Kräuterrezepturen und Akupunkturpunkte verwendet, um den Körper zu unterstützen.

Anders als die Psychologie ist der Zugang in der Behandlung von Emotionen in der chinesische Medizin über den Körper. Die chinesische Medizin trennt nicht exakt zwischen Seele, Geist und Körper, denn Empfindungen und der Körper wirken zusammen. Ferner zeigt sich jede Emotion wie Angst, Wut oder Freude auch ganz körperlich in Mimik und dem Empfinden. Daher sind somatische Zeichen entscheidend. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen, welche mit den Emotionen verknüpft sind wie zum Beispiel der Verlust eines Partners, Versagensängste oder Furcht vor Menschen, tritt dadurch in den Hintergrund. Dies ist der Bereich der Psychotherapie.

Dieser Ansatz steht allerdings nicht im Gegensatz zur psychologischen Herangehensweise. Ein weiteres Grundlagenwerk der chinesischen Medizin der Gelbe Kaiser der Inneren Medizin (黃帝內經 – Huangdi Neijing) empfiehlt sogar, Emotionen mit Emotionen zu behandeln (Yi Qing Sheng Qing 以情胜). Beide Methoden ergänzen sich daher in der Praxis, was sich anhand von Studien zeigen lässt (siehe unten).

Was man selbst tun kann

Neben den Therapeutischen Möglichkeiten empfehle ich in der Behandlungen die Akupressur. Hierbei werden bestimmte Akupunkturpunkte am Körper regelmäßig massiert. Die Grundlagen beschreibe ich im Blog Was ist Akupressur. Je nach der Beschwerde können folgende Selbstmassagen unterstützen:

Studien zeigten außerdem, dass Bewegung ähnlich gut wirkt wie ein Antidepressivum (Müller, 2013). Daher ist Bewegung äußerst wichtig, auch wenn es anfangs Überwindung kostet. Eine Möglichkeit langsam die Bewegung zu fördern ist das Bewegungsprogramm die 3-1-2 Leitbahnübungen von Prof. Zhu Zhong-Xiang. Hierbei handelt es sich um eine Selbstmassage mit leichten Bewegungsübungen um das körperliche Wohlbefinden zu fördern.

Unterstützend kann außerdem Citrus Öl wirken. Hierfür ein paar Tropfen Citrus Öl in eine mit Wasser gefüllte Schale geben und im Raum auf die Heizung oder ans Fenster stellen. Schon 1995 wurden hierzu Studien durchgeführt, welche eine ausgeprägte stimmungsaufhellende Wirkung belegten (Komori et al., 1995).

Meditation hilft zusätzlich, die Gedanken zu ordnen. Im Blog sind zwei mögliche Meditationen beschrieben:

Wobei ich die aufmerksamkeitsbasierte Meditation nach Jon Kabat Zinn empfehle. Hierfür nutze ich die App 7Mind, welche von den Krankenkassen bezahlt wird.

Studien zur Chinesischen Medizin und Depressionen

Der Fokus der Studien liegt in der Regel auf dem Krankheitsbild Depression und der Steigerung der Stimmung. Insgesamt gibt es sehr viele Studien zur Behandlung von Depressionen durch oder mit der Akupunktur (unten nur eine Auswahl). Der Studien Aufbau unterscheidet sich dabei meist in der Auswahl der Punkte oder in der Fragestellung. Als Trend zeigt sich allerdings insgesamt ein positivies Bild für die Wirkung der Akupunktur, insbesondere als Begleittherapie zur medikamentösen Behandlung (Wang et al., 2013, Zhao et al., 2019).

Die Cochrane Collaboration kommt hier in der Übersichtsarbeit von Smith et al. (2018) zu einem anderen Ergebnis. In der Arbeit wurde das Ergebnis vieler Studien zusammen getragen um eine höhere statistische Aussagekraft abzubilden.
Ein großer Kritikpunkt ist das Fehlen einer sogenannten Doppeltverblindung in den Studien. Prinzipiel ist die Verblindung sinnvoll um den Placeboeffekt zu minimieren und dadurch zu beweisen, dass eine Therapie wirksam ist. In medikamentösen Studien lässt sich dies durch das aktive Weglassen des Wirkstoffs ohne weiteres umzusetzen. Im Falle von manuellen Therapieverfahren stößt man hier allerdings an Grenzen.
Beispielsweise kann durch den Einsatz von sogenannten Streitberger Placebonadel (ähnlich wie ein Theaterdolch) weder der Behandler, noch der Patient wissen ob tatsächlich akupunktiert wird. Allerdings weiß der Behandler immer, ob er eine Nadel an einem echten oder einem falschen Akupunkturpunkt setzt. Um eine vollständige Verblindung zu gewährleisten, müsste auch dieses Wissen augeschlossen werden. Dies lässt sich allerdings nur schwer umsetzen und ist ein bisher nicht lösbares Problem. Daher sind natürlicherweise annähernd alle Studien zur Akupunktur nicht Doppeltverblindet. In diesen Studien zeigt die Akupunktur zumindest gute Ergebnisse in der Linderung von Depressionen (Liu et al., 2010, MacPherson et al., 2013, Sniezek & Siddiqui, 2013).

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