Ohrenheilkunde – Eine Indikation für die chinesische Medizin

Ohrbeschwerden und chinesische Medizin – passt das zusammen?

Die klassische Behandlung von Erkrankungen der Ohren findet heutzutage beim Hals-Nasen-Ohren Arzt (HNO Arzt) statt. Hier kann es sein, dass die Behandlung nicht immer das gewünschte Ergebnis bringt und eine alternative Herangehensweise sinnvoll sein kann.

Die chinesische Medizin bietet sich hier insbesondere deswegen an, da sie den Menschen ganzheitlich betrachtet. Dadurch ergeben sich bei Erkrankungen des Ohres weitere Behandlungsansätze.

Des Weiteren ist die Behandlung von Erkrankung aus dem HNO-Bereich schon lange als ein medizinischer Zweig der chinesischen Medizin etabliert. Die Ursprünge liegen dabei im Grundlagenwerk der chinesischen Medizin schlechthin, dem Gelben Kaiser der Inneren Medizin (Neijing). Bereits im 6. – 9. Jahrhundert wurde die Behandlung von HNO-Erkrankungen in China universitär unterrichtet – in Deutschland wurde dagegen 1899 die erste HNO-Klinik in Rostock eröffnet. Die Heilkunde der Ohren ist also in der Humanmedizin ein relativ junger Zweig.

Wie kann die chinesische Medizin bei Ohrbeschwerden helfen?

Auch in der chinesischen Medizin gilt das Zitat: “Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt!“, welches auf einen deutschen Internisten (Franz Volhard, 1872 – 1950) zurückgeht. In der Diagnositk nutzt die chinesische Medizin dabei verschiedene Verfahren.

Hierbei ist die Anamnese ein zentraler Aspekt mit den klassischen W-Fragen (Welche Art von Beschwerden, seit wann, wie lange …). Zusätzlich wird der Puls getastet, sowie die Zunge begutachtet. Als ein weiteres Verfahren nutze ich in meiner Naturheilpraxis in Witten die Leitbahnpalpation. Diese Verfahren zusammen ermöglichen es eine ganzheitliche Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin zu stellen und eine individuelle Behandlung zu ermöglichen. Mehr Informationen finden Sie im Bereich Behandlung.

Durch die lange Erfahrung der chinesischen Medizin in der Therapie von Ohrenbeschwerden gibt es eine große Bandbreite an möglichen Verfahren, welche eingesetzt werden können. Dies können zum Beispiel die Akupunktur, oder auch Arzneirezepturen sein.

Es gibt darüber hinaus noch viele weitere Therapieverfahren wie Gua Sha, Schröpfen oder diätetische Empfehlungen. Auch Qi Gong Übungen können häufig helfen.

Prinzipiell können einige Ohrbeschwerden durch die chinesische Medizin behandelt werden:

  • Tinnitus
  • Hörsturz
  • Innenohrschwerhörigkeit (je nach Ursache)

Geschichte der Ohrenheilkunde in China

Wie eingangs erwähnt, gehen die Grundlagen der Ohrenheilkunde auf das Neijing zurück. Diese wurden natürlich im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt. Exemplarisch wurde in der Tang Dynastie (618-806 n. Chr) der Bereich der HNO-Heilkunde von den klassischen Bereichen der Inneren und äußeren Medizin abgegrenzt und universitär etabliert. Auch ein erstes eigenständiges Lehrwerk mit dem Schwerpunkt HNO-Erkrankungen lässt sich schon auf die Ming-Zeit datieren (1368 – 1644 n. Chr). Heutzutage werden diese Quellen sowohl im Studium als auch an den Fachkliniken verwendet und erzielen in der Behandlung gute Ergebnisse.

Was man selbst bei Ohrbeschwerden tun kann

Insbesondere bei Beschwerden wie Hörsturz oder Tinnitus bieten sich verschiedene Qi Gong Übungen an. Die acht Brokate habe dabei einen besonders hohen Stellenwert und sollten dabei am besten im Sitzen durchgeführt werden.

Bei einem Tinnitus kann es sinnvoll sein – insbesondere wenn er Verspannungsbedingt ist – eine Nadelreizmatte auszuprobieren. Mehr dazu im Blog Verwendung der Nadelreizmatte.

Außerdem kann durchaus die Meditation hilfreich sein. Die App 7Mind verfügt über einen umfangreichen zertifizierten Kurs für Achtsamkeitsbasiertes Stressmanagment. In mehreren Meditationen wird hier die Wahrnehmung und der Umgang in Bezug auf Stress beleuchtet. Die Kosten für die App werden übrigens von den Krankenkassen übernommen. Allerdings nicht von allen und nicht von allen zu 100%.

Außerdem kann eine Kopfmassage aus dem Qi Gong sinnvoll sein.

Zu mir und meiner Expertise in der Naturheilpraxis in Witten

Wie in meiner Vita nachzulesen, bin ich über die Behandlung eigener Hörprobleme zur chinesischen Medizin gekommen und habe mich daher intensiv mit diesem Bereich beschäftigt. Auch über meine Ausbildung hinaus wie durch meine Hospitation in der Klinik von Dr. Wang in China. Dort konnte ich die Leitbahnpalpation erlernen, welche insbesondere in der Akupunktur einen hohen Stellenwert hat.

Die Kombination von Körperübungen, Akupunktur, Leitbahnpalpation und chinesischen Kräutern hat sich dabei bei mir in der Praxis bewährt.

Studien zur Behandlung von Ohrbeschwerden

Eine kleine Studie von Rogha et al. (2011) untersuchte die Wirkung von Akupunktur in der Behandlung von Tinnitus im Vergleich mit der Scheinakupunktur. Es zeigte sich, dass die Akupunktur in 5-10 Behandlungen den Tinnitus vermindern konnte, während die Scheinakupunktur keine Wirkung zeigte.

Die Übersichtsarbeit von Kim et al. (2012) beschreibt die Akupunktur als eine mögliche Behandlungsoption des Tinnitus. Insbesondere in Verbindung mit psychoedukativen Ansätzen im Umgang mit diesem. Dabei gilt die Akupunktur als ein sicheres Verfahren, auch wenn die durchgeführten Studien in der Methodik Schwächen aufwiesen, so die Autoren.

Eine weitere Übersichtsarbeit würde von Jiang et al. (2015) durchgeführt. Untersucht wurde die Sicherheit und Wirksamkeit der Akupunktur alleine und in Verbindung mit Medikamenten oder Arzneirezepturen in der Behandlung nerval bedingter Höreinschränkung. Die Akupunktur konnte in allen zwölf in der Übersichtsarbeit verwendeten Studien eine Wirksamkeit zeigen, wobei die Wirkung durch die Zugabe von Medikamenten der Humanmedizin als auch Arzneirezepturen deutlich verstärkt werden konnte.

Naderinabi et al. (2018) untersuchten, ob die Akupunktur bei einem sogenannten nicht-pulsatilen Tinnitus helfen kann. Hierbei ist das Ohrgeräusch permanent vorhanden und wird nicht durch den Herzschlag beeinflusst.

Verglichen wurde in dieser Studie Akupunktur und Scheinakupunktur, wobei die Patienten nicht wussten, welche Behandlungen bei Ihnen angewandt wurde. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Unterschied in beiden Gruppen. In der Akupunktur Gruppe war die Linderung des Tinnitus wesentlich stärker ausgeprägt. Einziger Wermutstropfen: die Behandlungsfrequenz war mit drei Behandlungen in der Woche sehr hoch.

Die Studie von Kuzucu und Karaca (2020) zeigten ein positives Ergebnis in der Behandlung von chronischem Tinnitus. Die Wirkung stellte sich hier in der zweiten Behandlungswoche ein und war auch noch nach drei Monaten vorhanden. Eine gute Wirkung zeigte sich nach zehn Behandlungen.

Wei et al. (2022) versuchten nachzuvollziehen, wie die Tinnitus vermindernde Wirkung der Akupunktur entsteht. Dafür nutzten sie die funktionelle Magnetresonanztomographie, abgekürzt fMRT. Dadurch war es ihnen möglich aufzuzeigen, inwieweit die Akupunktur die Reizleitung zwischen Hirnarealen beeinflusst und konnten so ein Erklärungsmodell erarbeiten.

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