Rückenschmerzen und Akupunktur

Ständig dieses ziehen im Rücken

Rückenschmerzen sind eine weitverbreitete Beschwerde, rund ein Drittel der Deutschen leidet öfter oder ständig unter Rückenschmerzen, ein weiteres Drittel hat ab und an damit Probleme. Sowohl die Art der Schmerzen als auch ihre Ursachen sind sehr vielfältig. Dazu schreibt die Techniker Krankenkasse: „Nach neueren Forschungsergebnissen gelten etwa 85 Prozent aller Rückenschmerzen als unspezifisch, das heißt, die Ursache der Schmerzen bleibt unklar. Wo keine eindeutige Diagnose möglich ist, kann auch keine Ursache behandelt werden“ (Keller, 2021).

Bei akuten Rückenschmerzen kann es dabei notwendig sein, dass die Schmerzursache durch den Arzt untersucht wird. Dies betrifft Rückenschmerzen, welche nach starker Belastung plötzlich auftreten, mit Lähmungserscheinungen einhergehen oder wenn die Funktion des Darms oder Harnblase beeinflusst ist.

Wenn keine körperliche Schädigung dem Rückenschmerz zugrunde liegt, handelt es sich um den sogenannten „Nicht-spezifischen-Rückenschmerz“. Hier steht die Linderung der Beschwerden und die Förderung der Beweglichkeit im Vordergrund. Die Akupunktur kann zusätzlich oder alleine unterstützend eingesetzt werden, da sie sich insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen bewährt hat. Hierbei werden die Beschwerden aus dem Blickwinkel der chinesischen Medizin betrachtet, um eine passende Behandlung zu ermöglichen.

Wie beurteilt die chinesische Medizin Rückenschmerzen?

Die chinesische Medizin betrachtet in der Behandlung von Rückenschmerzen den Betroffenen ganzheitlich. Gab es schon vorher Verletzungen durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Operation sind daher wichtige Fragen, welche die Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin leiten. Zusätzlich werden über den sogenannten Schmerzcharakter, wann und wo die Schmerzen auftreten, weitere Informationen für eine passende Behandlung gesammelt. Daneben ist wichtig, wodurch der Schmerz beeinflusst wird, wie zum Beispiel bestimmte Bewegungen, Druck oder das Wetter. Manche Rückenschmerzen sind auch erst in der Nacht besonders schlimm, alle diese Modalitäten beeinflussen die Behandlungen und führen zu einer individuellen Therapie. Beispielsweise werden folgende Rückenschmerzarten unterschieden:

  • Akute Schmerzen, welche in die Beine ausstrahlen. Hier kann eine vorherige Abklärung durch den Arzt notwendig sein
  • Chronische Schmerzen welche durch das Wetter beeinflusst werden, häufig mit Steifigkeit im unteren Rücken
    • Stechende, sehr punktuelle Schmerzen, im Winter werden diese schlimmer
    • Brennende Schmerzen
  • Bei beiden Schmerzarten können sich die Beine Schwer anfühlen
  • Chronische Schmerzen durch Operationen, Verletzungen, häufig in der Nacht schlimmer
  • Chronische dumpfe Schmerzen im Rücken, häufig mit Anlaufbeschwerden
    • Die Beschwerden werden durch Kälte besser
    • Die Beschwerden werden durch Wärme besser

Die verschiedenen Schmerzarten können sich dabei auch überlagern. Diese Diagnosen und daraus abgeleiteten Behandlungsstrategien sind Teil der Schmerztherapie der chinesischen Medizin. Je nach Ursache gestaltet sich daher die Behandlung anders.

Wie behandelt die chinesische Medizin Rückenschmerzen?

In der Behandlung von Rückenschmerzen kommen je nach Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin verschiedene Verfahren zum Einsatz. Meist allerdings die Akupunktur und Kräuterrezepturen.

Hierbei werden beide Verfahren immer individuell angepasst und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Es gibt hier kein Schema F für eine Behandlung. Neben der Anamnese ist außerdem eine genaue körperliche Untersuchung als Teil der Leitbahntherapie nach Dr. Wang Ju-Yi hilfreich. Dies dient dazu, die Behandlung so genau als möglich zu gestalten. Gerade die Akupunktur zeigt hier ihre Stärken. Je nachdem wie der Schmerzcharakter ist und wo die Schmerzen verortete sind, werden andere Akupunkturpunkte verwendet, um zu behandeln. Wie ich dabei vorgehe, beschreibe ich im Bereich: Mit mir arbeiten.

Was sagen Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen und Akupunktur?

Die Behandlung von Rückenschmerzen wurde schon in der WHO Übersichtsarbeit zur Akupunktur (1996) aufgrund verschiedener klinischer Studien empfohlen. Trotzdem dauerte es noch bis 2007 in Deutschland, dass diese Empfehlung umgesetzt wurde. Wobei die Art der Umsetzung nicht ganz ohne Folgen in der Wahrnehmung der Akupunktur grundsätzlich ist. Dies soll hier näher beleuchtet werden.

Aufgrund eines Beschlusses aus dem Jahr 2001 wurde die bisher größte Studie zur Akupunktur in Deutschland durchgeführt – die sogenannte GERAC-Studie. In ihr wurde unter anderem die Wirkung der Akupunktur im Vergleich mit einer Scheinakupunktur und der konservativen Behandlung verglichen. Ziel war es, die Effektivität der Akupunktur zu beurteilen. Die Ergebnisse wurden 2007 veröffentlicht (Haake et al, 2007). Hierbei war die Akupunktur der konservativen Behandlung um den Faktor zwei überlegen.

Konsequenterweise wurde nach dem Erscheinen dieser Studie die Akupunktur unter bestimmten Bedingungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bei einem Vertragsarzt aufgenommen. Die Anforderungen an die Akupunkturausbildung des Arztes für Erstattung durch die Krankenkassen sind hierbei allerdings minimal. Zum damaligen Stand (2007) war ein A-Diplom mit 140 Unterrichtseinheiten ausreichend (Schnorrenberger, 2005). Dadurch konnten relativ viele Patienten diese Leistung in Anspruch nehmen, da diese Behandlung flächendeckend möglich war und ist. Allerdings ist es für Patienten nur schwer möglich, eine fachlich hochwertige Akupunktur von einer schnell durchgeführten zu unterscheiden. Diese Entwicklung darf durchaus kritisch betrachtet werden, wenn die Akupunkturbehandlung aufgrund mangelnder Fachlichkeit nicht wirkt und dadurch der Eindruck entsteht, dass dieses Verfahren insgesamt unwirksam ist (Trinczek, 2015).

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