Die Wu Atmung für Tiefenentspannung

Einfache Übung – Unmittelbare Wirkung

Der Atem kann ein starker Verbündeter sein, wenn man sich unruhig und ängstlich fühlt. Die folgende Wu-Atmung ist hierfür eine wunderbare Übung, um schnell und effektiv das Nervensystem zu beruhigen.

Sie geht dabei ursprünglich auf den Psychotraumatologen Peter A. Levine zurück, welcher sich seit mehr als vierzig Jahren mit der Behandlung von traumatisierten Menschen beschäftigt. Sein revolutionärer Ansatz ist dabei, dass ein Trauma im Wesentlichen eine nicht zum Ende gebrachte Flucht- oder Krampfreaktion des Nervensystems ist.

Wobei er sich zeit seines Lebens damit auseinandergesetzt hat, wie die Reaktion des Nervensystems reguliert werden kann. Aus einer Fülle von so entstandenen Übungen stammt die einfache Übung der Wu-Atmung, welche im englischen als Voo-Breathing bezeichnet wird.

Wirkung der Wu-Atmung

Durch die vertiefte Ausatmung auf die Silbe Wu vibriert der gesamte Brustkorb. Manchmal breitet sich diese Vibration sogar im gesamten Körper aus. Sie stimuliert dabei den Vagus-Nerv, welcher ganz entscheidend dafür da ist, in eine tiefe Entspannung zu kommen. Anders ausgedrückt vermindert diese Atmung die Stressreaktion und ermöglicht es so dem Körper sich selbst zu regulieren.

Durchführung der Wu-Atmung

  1. Sich bequem hinsetzen – Man sollte für diese Atmung bequem sitzen und der Rücken sollte entspannen können. Das Empfinden sollte auf einer Skala von 1-10 eingeordnet werden (1 – tiefenentspannt, 10 – Unruhe/Angst).
  2. Den Atem beachten – Wer mag, kann die Augen schließen und den Fokus nach innen wenden. Dabei darauf achten, wo im Körper die Atmung beginnt und den Atem frei fließen lassen.
  3. Tief in den Bauch atmen – Dies fällt besonders leicht, wenn die Hände auf oder am Unterbauch liegen. Ein Hinweis für die Bauchatmung ist, dass sich hier nicht die Schultern heben.
  4. Auf die Silbe Wu ausatmen – Die Silbe so lange wie möglich bei der Ausatmung halten. Dabei kann sich die Vibration im gesamten Körper ausbreiten und verteilen. Die Ausatmung sollte aber natürlich entspannt bleiben und gepresst werden.
  5. Wiederholen – Die Atmung so für 3-5 Minuten wiederholen.
  6. Wieder ankommen – Erneut das Empfinden auf der Zahlenskala einordnen, die Augen öffnen und langsam wieder bewegen.
Die Wu Meditation kann sehr schnell den Körper beruhigen.

Wu-Atmung und chinesische Medizin

Wie vorher erwähnt, wird diese Atmung im Englischen als Voo-Atmung bezeichnet, wobei die Übersetzung von Voo zu Wu durch die Übersetzerin Karin Petersen erfolgte. Interessanterweise ist die Silbe Wu im Chinesischen dabei äußerst interessant, wenn es um die Beruhigung des Nervensystems geht.

Das Zeichen 巫 für Schamane wird im chinesischen ausgesprochen, wobei der waagerechte Strich über dem ū anzeigt, dass dies Silbe als erster Ton ausgesprochen wird. Im Wesentlichen gleicht dies der oben erwähnten Ausatmung nur eben nicht über einen langen Zeitraum, da das Chinesische in der Regel sehr schnell gesprochen wird.

Das Ursprungszeichen 巫 als solches besteht außerdem aus zwei einzelnen Zeichen. Das erste ist 工 Gōng welches typischerweise mit Arbeit übersetzt wird. Gleichzeitig zeigt es aber auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde an. Das Zeichen 人 Rén, zeigt einen Menschen, wobei im Ursprungszeichen 巫 zwei Menschen zusammenkommen, daher taucht 人 Rén entsprechend zweimal auf. Demnach war der Schamane in der chinesischen Kultur der Mittler zwischen Himmel und Erde.

Himmel und Erde können im Sinne der chinesischen Medizin darüber hinaus exemplarisch für die zwei Teile des menschlichen Nervensystems gesehen werden – den Sympathikus, dass Kampf- und Flucht-Nervensystem und den Parasympathikus, welches unter anderem für die Entspannung zuständig ist. Wobei der Mensch immer unter dem Einfluss dieser beiden steht und sich selbst regulieren kann. Die Silbe hilft dabei in Verbindung mit der Atmung diese Selbstregulation zu fördern und das Körperempfinden zu festigen, ähnlich wie ein Schamane im alten China. Dadurch können sich über diese Atmung Ängste und Unruhe vermindern, auch im Sinne der chinesischen Medizin.

Levine, P; Phillips, M (2020). Vom Schmerz befreit Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers Schmerzen zu überwinden, Kösel Verlag