Innere Ruhe finden durch Meditation

Morgens halb Zehn in Deutschland…

Beim Frühtsück schnell noch eine Nachricht mit dem Handy abschicken, während man sich nebenbei unterhält. Gleichzeitig läuft das Radio, und auf dem Herd wird etwas Milch für das Müsli erhitzt. Dabei darf die Uhr nicht aus dem Auge gelassen werden, denn der Chef wartet nicht. Was hätten wohl unsere Großeltern bei der erwähnten Situation gedacht? Wahrscheinlich, dass das jetzige Leben ziemlich viele Herausforderungen und vor allem Ablenkungen bietet.

Gerade das Smartphone mit seinen unzähligen Apps und die Schnellebigkeit der Nachrichten fordern ständige Aufmerksamkeit. Auf Dauer ist es dabei wichtig, Inseln der Ruhe für sich selbst zu schaffen und im wahrsten Sinne einfach mal durchatmen zu können. Die folgende kleine Meditationsanleitung ist dabei vielleicht hilfreich.

Es gibt unzählige Varianten und Beschreibungen wie Meditation geht und wie sie ablaufen sollte, manche davon sind komplizierter als andere. Der aus China stammende Chan-Buddhismus gibt erfreulicherweise eine sehr einfache Art der Meditation vor. Einfach in dem Sinne, dass für die Meditation nur ein Kissen und eine leere Wand benötigt werden. Es geht natürlich auch mit einem Meditationshocker.

Geschichtliches

Der Chan-Buddhismus dürfte im Westen eher unter Zen-Buddhismus bekannt sein. Allerdings ist dies nicht das gleiche. Der Zen-Buddhismus stammt aus Japan und entwickelte sich aus dem Chan-Buddhismus, welcher in China seine Wurzeln hat. Die Ursprünge des Chan gehen dabei auf das 5 Jahrhundert und den Mönch Bodhidharma zurück.

Wie geht diese Meditation?

Es ist immer sinnvoll für die Meditation ein Zeitfenster zu wählen. In dieser Zeit sollte man nicht gestört werden, das heißt Handy auf lautlos und Türen schließen. Zehn bis zwanzig Minuten sind dabei ein gutes Maß, fünf Minuten sind aber auch besser als keine Meditation.

Man sollte sich vor eine Leere, am besten weiße Wand auf das Kissen setzen. Der Abstand zur Wand beträgt ca 1 Meter. Nachdem man Platz genommen hat sollte im ersten Schrittdie Haltung korrigiert werden. Die Wirbelsäule ist gerade, das Kinn leicht zum Brustbein geneigt. Wohingegen die Beine entweder in der Hocke sind (Meditationshocker) oder im halben oder ganzen Lotussitz (Kissen). Nun kann die eigentliche Meditation beginnen. Mit geöffneten Augen und einem etwas gesenkten Blick wird ein Punkt hinter der Wand fokussiert. Man schaut sozusagen durch die Wand durch. Die Hände ruhen dabei auf den Oberschenkeln oder liegen im Schoß.

In dieser Position verbleibt man. Dabei ist etwas sehr wichtig: nicht denken! Damit ist gemeint nicht willentlich zu denken. Während der Meditation werden unzählige Gedanken aufkommen, das ist vollkommen normal. So wie sie kommen, sollten sie allerdings auch wieder gehen können. Dies gleicht der Beobachterposition an einem Spielfeld. Der Zuschauer kann nicht aktiv ins Spiel eingreifen, sondern genießt salopp gesagt die Show.

Praxistipp

Wenn man sich beim Denken ertappt, gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Zu denken „nicht denken“
  2. Die Haltung zu korrigieren
  3. Sich auf die Atmung zu konzentrieren – einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen…

Wie sollte die Atmung sein?

Die Atmung sollte während der Meditation frei fließen können. Wenn einem dies schwerfällt und auch der Gedankenfluss nicht zum Erliegen kommt, kann es hilfreich sein die Atmung zu regulieren. Dabei wird drei Sekunden durch die Nase eingeatmet und vier Sekunden durch den Mund ausgeatmet. Dies Prozess sollte sehr bewußt durchgeführt werden. Diese Atmung kann die gesamte Meditation beibehalten werden. Allerdings sollte die Atmung dabei langsam sein.

Wenn das Zeitfenster um ist, nicht sofort aufspringen, sondern kurz nochmal innehalten. Diese Ruhe während der Meditation kann auch im Alltag gefunden werden, solange man fokussiert ist. Sei es auch nur für einen kurzen Moment.

Zum Abschluss: Ein wesentliches Element dieser Meditation ist es, sie einfach zu tun und nicht zu zerdenken. Die unmittelbare Erfahrung steht im Vordergrund. Dies entspricht dem Konzept des Chan-Buddhismus, auch wenn dieser weitere Elemente umfasst. Am besten wäre es, diese Meditation regelmäßig durchzuführen.

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