Müdigkeit und Post-Covid-Syndrom

Wichtiger Hinweis

Bevor der eigentliche Artikel beginnt, ein wichtiger Hinweis vorweg: Dem Heilpraktiker ist es nach §24 Absatz 1 Infektionsschutzgesetzes (IFSG) verboten, COVID-19 zu behandeln.

Daher beleuchtet dieser Artikel ausschließlich Maßnahmen zur Behandlung der Folgen einer Corona-Infektion. Für die Folgebeschwerden gilt nach Rechtsanwalt Dr. Rene Sasse kein Behandlungsverbot für den Heilpraktiker (Coronavirus SARS-CoV-2 Übertragung, Hygiene und IfSG, 2021).

Außerdem dazu aus dem AGTCM-Newsletter 15/2021: Die gegenwärtige Corona-Pandemie bringt immer wieder neue Herausforderungen und es stellen sich neue Fragen, so z. B. ab wann Heilprakter:innen mit in die Behandlung eingebunden werden können. (…) Nach dem Ende der Quarantäne besteht kein Ansteckungsrisiko für Dritte mehr. Aus diesem Grund verstoßen Behandlungen des Patienten in Bezug auf die Langzeitfolgen ab diesem Zeitpunkt nicht gegen § 24 IfSG (Infektionsschutzgesetz).

Auch der BDH hat sich dazu diesbezüglich in seinem Newsletter Nr. 736 geäußert: Heilpraktiker*innen dürfen COVID-19 nicht behandeln, sehr wohl aber die Langzeitfolgen nach überstandener Infektion.

Was ist das Post-Covid-Syndrom

In Zeiten der Corona Pandemie kommt es immer wieder zu neuen Erkenntnissen und Schlagzeilen. Aktuell erscheinen viele Artikel über das sogenannte Post-Covid-Syndrom oder Long Covid. So betitelt eine Journalistin des Bayrischen Rundfunks ihren Artikel auf der Tagesschau Homepage mit Langzeitfolgen von Corona Diagnose: Post-Covid-Syndrom (27.01.21). Ähnliche Überschriften finden sich im Helios Magazin Long-Covid Covid-19: Genesen, aber mit Spätfolgen (30.12.20) oder in der Apotheken Umschau Post-Covid-Syndrom: Erschöpfung und Schmerzen als Spätfolge (27.01.21). Doch worum geht es bei diesen neuen Begrifflichkeiten? Bei einigen an Corona Genesenen treten Symptome wie Erschöpfung, Müdigkeit oder Muskelschwäche auch noch nach Monaten auf. Mehr dazu im Folgenden:

Nach dem Erregersteckbrief des RKI zu SARS-CoV-2 und COVID-19 (Stand 03.05.21) sind längere Genesungszeiten bei Infektionen mit Lungenentzündungen (Pneumonien) nicht ungewöhnlich. Dies gilt auch für die Covid-Erkrankung, aber nicht ausschließlich. Aufgrund der unklaren Studienlage und der Neuheit des Erregers werden aktuell mögliche Langzeitfolgen unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst, so das RKI. Bestehen die aufgetretenen Beschwerden über zwölf Wochen nach der Erkrankung spricht man vom Post-COVID-Syndrom. Die AWMF “S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID” (Koczulla et al., 2021) beschreibt zusätzlich die Verschlechterung vorbestehender Gesundheitsbeschwerden, solange die Ursache für die Verschlechterung unklar ist.

Müdigkeit als eine Folge von Covid

Die unklare Studienlage erlaubt keine verlässliche Einschätzung, wie häufig es zu Long-COVID/Post- COVID kommt. Zusätzlich ist es schwierig, einen einheitlichen Symptomkomplex zu definieren, da die Folgebeschwerden sehr vielgestaltig sind und je nach Studie unterschiedlich beschrieben werden, so der Erregersteckbrief. Folgende Symptome scheinen allerdings häufig aufzutreten:

Zu den häufig genannten Beschwerden (allein oder in Kombination) zählen Müdigkeit, Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, Muskelschwäche und -schmerzen sowie psychische Probleme wie depressive Symptome und Ängstlichkeit.

Post-Covid-Syndrom und chinesische Medizin

Das Gesundheitsministerium in China hat sehr schnell Leitlinien für die Behandlung der Covid Erkrankungen erarbeitet und veröffentlicht. Auch die Behandlung mit Kräutern aus der chinesischen Medizin in den verschiedenen Stadien der Erkrankung wird hier ausführlich dargelegt. Die Behandlung erfolgte in der Regel adjuvant, das heißt zusätzlich zur Behandlung durch die Schulmedizin. Zwischen 80-90 % aller Patienten wurden so erfolgreich therapiert (Xie, 2020, Ochs & Garran, 2021).

In der Erholungsphase, also nach abgeklungener Infektion ohne vorhandene Viruslast im Körper, werden in den Leitlinien im wesentlichen zwei Symptomkomplexe unterschieden:

  1. Intensive Müdigkeit/Erschöpfung mit Muskelschwäche, Durchfall
  2. Intensive Müdigkeit/Erschöpfung mit Schlafbeschwerden, Schwitzen und trockenem Husten.

Jeder dieser Symptomkomplexe erfordert eine differenzierte Behandlung wobei die empfohlenen Arzneirezepturen eine immunstimulierende und antientzündliche Wirkung haben. Sie enthalten zum Beispiel Kräuter wie Radix Astragalus (Huang Qi) und Radix Opiopogonis (Mai Dong). Im Sinne der chinesischen Medizin bauen die verwendeten Arzneien Qi und Yin auf. Ferner lindern sie Hitze und entfernen Schleim.

Außerdem haben internationale Koryphäen der chinesischen Medizin wie Peilin Sun oder John Chen Akupunkturleitlinien anhand der Empfehlungen des chinesischen Gesundheitsministeriums erstellt. Dadurch sind auch für dieses Verfahren Leitlinien bekannt und werden angewendet.

Es gibt auch Behandlungsansätze von deutschen Therapeuten wie Christian Thede (2020). Nach Thede hat das Post-Covid-Syndrom eine starke Ähnlichkeit mit dem Chronic-Fatigue-Syndrom, wie es häufig nach einer Epstein-Barr-Infektion auftritt. Eine wesentliche Rezeptur in diesem Zusammenhang ist Xiao Chaihu Tang mit verschiedenen Erweiterungen (Thede, 2021). Wobei die Grundlagen hier auf der Abhandlung über Kälterkrankung von Zhang Zhong Jin beruhen und das Shao Yang Muster abbilden.

Für eine andere Behandlungsstrategie spricht sich Yifan Yang aus. Nach ihrer Erfahrung sind insbesondere Feuchtigkeit ausleitende, aromatische Rezepturen zieführend in der Behandlung von Patienten, welche an Long-Covid leiden.

Die AGTCM veranstaltete im Mai 2021 ein internationales Symposium, in welchem der aktuelle Stand der chinesischen Medizin in der Behandlung von Long-Covid diskutiert wurde. Die geladenen Experten wie Dan Bensky, Volker Scheid und Craig Mitchell waren sich in einem Punkt einig, die chinesische Medizin kann in der Linderung der Folgen einer Corona Erkrankung erfolgreich eingesetzt werden.

Uneinig waren sie sich in der grundsätzlichen Auswahl der Arzneirezepturen. Dies bildet aber durchaus die Diversität der chinesischen Medizin ab und zeigt, wie wichtig eine individuelle Behandlung ist.