Wie wirken Kräuter – Neues aus der Forschung

Du bist, was du isst

Das Sprichwort dürfte so ziemlich jedem bekannt sein, neuere Forschung aus dem Jahr 2008 bestätigt nun dieses Sprichwort auf besondere Weise.

Eine Forschergruppe aus Nanjing um Prof. Yu-Chen Zhang untersucht seit nun mehr fast 15 Jahren unter anderem Pflanzen der chinesischen Heilkunde auf deren wirksame Bestandteile. Dies wäre als solches nicht neu, allerdings sind sie dabei auf Erstaunliches gestoßen. Bisher wurde von Wissenschaftlern insbesondere das Herstellungsverfahren der klassischen Dekokte kritisch betrachtet. Hierbei werden die Arzneistoffe (meist Pflanzenbestandteile) über mehrere Stunden in Wasser gekocht. Eine Frage, welche dadurch entstand war, welche Stoffe nun noch eine Wirkung auslösen können sollten? Denn Inhaltsstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe und die RNA werden durch die Hitze zerstört oder in ihrer Anzahl vermindert.

Arzneien in der chinesischen Medizin werden häufig lange gekocht.

Die Bestandteile, welche den Erhitzungsprozess überstehen, werden dann meist durch die Magensäure und die Verdauung gänzlich zersetzt. Insbesondere die RNA wurde als eine aktive Wirksubstanz in diesen Dekokten vernachlässigt.

Ein Blick über den Tellerrand

Genau hier setzt die Arbeit von Prof. Zhang an. Er untersuchte in verschiedenen Experimenten, inwieweit kleinste Bestandteile der RNA, sogenannte micro RNA (miRNA), den Erhitzungsprozess sowie die Verdauung übersteht und anschließend im Körper eine Wirkung entfalten – bisher war die geltende Lehrmeinung, dass dies nicht möglich sei.

Zhang konnte inzwischen in zahlreichen Studien belegen (eine kleine Auswahl im Anhang), dass diese miRNA tatsächlich einen wesentlichen Teil der Wirkung von bestimmten Arzneimittel ist. Darüber hinaus konnte die Forschergruppe zeigen, dass die miRNA hitzestabil ist.

Eine Hypothese, warum die miRNA den Kochvorgang unbeschadet übersteht, lieferte eine andere Forschergruppe aus Beijing im Jahr 2019. Durch das Erhitzen entstehen sogenannte Liposome, eine Verbindung aus Fetten (Lipiden) und der miRNA im Nanometerbereich, welche die RNA schützt. Diese Verbindung erleichtert außerdem die Aufnahme dieser Stoffe in menschliche Zellen.

Die Stadt Nanjing beherbegt einige der wichtigsten Universitäten aus China.

Im Zuge dieser Entdeckung konnte außerdem gezeigt werden, dass es spezifische miRNA sowohl vom menschlichen Körper, von Tieren, aber auch von Pflanzen gibt. Diese miRNA kann bezeichnenderweise auch über Speziesgrenzen hinaus wirksam sein. Heißt so viel wie, die miRNA einer Pflanze bleibt auch im menschlichen Körper miRNA wirkt aber trotzdem innerhalb des artfremden Organismus.

Forschung auf internationalem Niveau

Die Wirkung entsteht dabei durch die sogenannte Epigenetik. Eine einfache Beschreibung dieses neuen Begriffs geben die beiden Journalisten Franziska Badenschier und Thomas Schwarz vom Planet Wissen im Artikel Epigenetik:

Der Begriff „Epigenetik“ ist zusammengesetzt aus den Wörtern Genetik und Epigenese, also der Entwicklung eines Lebewesens. Epigenetik gilt als das Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen: Sie bestimmt mit, unter welchen Umständen welches Gen angeschaltet wird und wann es wieder stumm wird. Experten sprechen hier von Genregulation.

Vereinfacht sind die Gene der Bauplan des menschlichen Körpers und die Epigenetik beschäftigt sich damit, wie und wann welcher Bauplan abgerufen wird, um bestimmt Vorgänge im Körper zu initiieren. Genau hier setzt anscheinend die miRNA an. Sie sorgt dafür, dass bestimmte Gene reguliert werden und dadurch die Physiologie beeinflussen. Dadurch passen sich die Zellen des Körpers immer wieder an verschiedene Umweltbedingungen an.

Gen Untersuchungen wurden auf internationalem Niveau bei den Studien genutzt.

Dies gilt bei Menschen als auch bei Tieren. Mehr zur Entdeckung dieses neuen Wirkmechanismus kann nachgehört werden in dem mdr Podcast Geheimcode der Heilpflanzen – Chinesische Wissenschaftler entschlüsseln Heilkräfte der Natur von Heidi Mühlenberg aus dem Jahr 2013.

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