Weniger is(s)t mehr

Essenstipps aus der chinesischen Medizin

Keine Sorge, in diesem Blog geht es nicht darum, dass man mit guter Laune Essen sollte, nach Möglichkeit nur noch Bio sowie kein Fast Food. Es wird auch nicht um irgendwelche Eiweiß- oder Paleo-Diäten gehen. Vielmehr geht es in Artikel um den Pragmatismus der chinesischen Medizin im Bezug zur Ernährung.

Dafür ist es notwendig, verschiedene Aspekte zu betrachten. Zu Beginn ist eine kurze Beschreibung der Verdauung zum Geleit sinnvoll. Im Folgenden wird dann die Sicht chinesische Medizin auf die Nahrungsaufnahme und die damit verknüpften Organe beschrieben. Mit diesem Wissen ist es ein Leichtes, das heutige Essverhalten kritisch zu betrachten. Im letzten Teil kommen alle Sichtweisen zusammen und es eröffnet sich eine neue Sichtweise auf die Nahrungsaufnahme.

Grundlagen der Verdauung aus der Humanmedizin

Nachdem Nahrung im Mund zerkleinert wurde, wird sie durch den Schluckakt über die Speiseröhre in den Magen geleitet. Durch das Kauen wird dabei schon die Aufschlüsselung von Nahrungsbestandteilen in Verbindung mit dem Speichel eingeleitet. Im Magen wird die Nahrung gespeichert, durch die Magensäure desinfiziert und mechanisch weiter zerkleinert. Ferner beginnt die Eiweißverdauung.

Im Folgenden werden nur kleine Nahrungsbestandteile nach und nach in den Dünndarm abgegeben, wo der Speisebrei mit den Verdauungsflüssigkeiten von Bauchspeicheldrüse und Leber in Verbindung kommt.

Im Dünndarm passiert nun durch die Verdauungsflüssigkeiten das, was klassisch als Verdauung bezeichnet wird. Gemeint ist damit, dass Nahrungsbestandteile so weit verarbeitet werden, dass sie über die Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Der Körper erhält dadurch viele lebenswichtige Nährstoffe.

Alle Nahrungsrestbestandteile, welche diesen Prozess überstehen, werden dann anschließend als Stuhlgang in den Dickdarm weitergeleitet. Der Dickdarm entzieht diesem Stuhlgang Flüssigkeiten und die vorhandenen Darmbakterien nutzen auch die letzten brauchbaren Bestandteile der ehemaligen Nahrung, bevor diese ausgeschieden wird.

Die Verdauung in der chinesischen Medizin

Ohne zu sehr ins Fachchinesische zu driften, lassen sich schon im Gelben Kaiser der Inneren Medizin (Nèijīng, 内經) wesentliche Aspekte zu den inneren Organen finden. Beim erwähnten Buch handelt es sich um das Grundlagenwerk der chinesischen Medizin schlechthin.

Neben der anatomischen Vermessung der Därme werden auch die Funktionen der Organe beschrieben. Im elften Kapitel des ersten Teils des Nèijīng heißt es:

Die […] Organe Magen, Dickdarm und Dünndarm […] scheiden aus ohne zu speichern, daher heißen sie Hohlorgane und ihre Aufgabe ist die Verdauung und Ausscheidung.

In diesem Zitat ist insbesondere die Zuordnung dieser Organe zu den sogenannten Hohlorganen wichtig. Dabei handelt es sich zum einen um Organe, welche anatomisch hohl sind (ein Hinweis auf die anatomischen Kenntnisse der Chinesen). Zum anderen sind es Organe, welche nur zeitweise mit Nahrung oder Ausscheidungsstoffen gefüllt sein sollten. Ihre Aufgabe ist grundsätzlich die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeiten für die Aufnahme von Nährstoffen und die anschließende Ausscheidung der Abfallprodukte. Die chinesische Medizin ist daher in der Betrachtung der Funktionen der Organe sehr nahe an der Humanmedizin.

In einem Punkt unterscheiden sie sich allerdings sehr. Im Sinne der chinesischen Medizin sollte Hohlorgane im Wesentlichen bleiben sein. Mit anderen Worten, die Nahrungsaufnahme sollte nur zeitweise erfolgen und nicht permanent. Dieser Aspekt wird im Folgenden noch wichtig werden.

Es lässt sich somit festhalten, dass im Sinne der chinesischen Medizin eine moderate Art des Fastens der natürlichen Arbeit der Verdauungsorgane entspricht. Nur zeitweise sollte Nahrung aufgenommen werden, damit die Verdauungsorgane ihren Dienst verrichten können, gefolgt von einer Phase der Leere der Organe.

Essverhalten heute

Über das heutige Essverhalten sind schon ganze Bücher geschrieben worden, wobei aber ein Punkt wesentlich ist. Der Mensch ist evolutionär an Hungerphasen bestens angepasst. Es war bis vor weniger als hundert Jahren normal, die meiste Zeit des Tages zu hungern. Erst im Laufe der letzten Jahrzehnte findet diesbezüglich ein weltweiter Wandel statt. Nahrungsmittel stehen immer leichter zur Verfügung.

Woran der Mensch evolutionär aufgrund dieser kurzen Zeitspanne allerdings bisher nicht angepasst ist, ist die regelmäßige Aufnahme von Nahrung.

Dies macht insofern Sinn, da Hungern grundsätzlich lebensbedrohlich ist, wohingegen die Nahrungsaufnahme theoretisch dem entgegensteht. Was demnach ein wichtiger Überlebensmechanismus ist, wird heute für viele Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht.

So berichtet das Robert-Koch-Institut diesbezüglich, dass bis zu zwei Drittel der Männer und etwas mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig sind. Fast jeder fünfte Erwachsenen leidet außerdem nach der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. am sogenannten metabolischen Syndrom. Dieses geht einher mit Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten sowie einer Zuckerstoffwechselstörung.

Die erwähnten Störungen lassen sich dabei im Wesentlichen auf die Ernährung zurückführen. Dies lässt eindrücklich an der Zuckerstoffwechselstörung Diabetes mellitus zeigen. Während der Weltkriege war diese Erkrankung aufgrund der Nahrungsknappheit fast nicht vorhanden. Erst nach dem Ende der Kriege stiegen die Erkrankungszahlen wieder stetig an, entsprechend der Ernährungsweise.

Es lässt sich somit festhalten, die heutigen Essgewohnheiten sind bei vielen entweder zu reichhaltig, zu häufig oder nicht dem Verbrauch entsprechend. Nicht vergessen werden sollte natürlich, dass es auch hormonelle Ursachen für beispielsweise Übergewicht gibt. Zahlenmäßig ist allerdings die Ernährung mit Abstand die Ursache Nummer eins.

Evolutionäre Empfehlung und chinesische Medizin

Die Tradition des Fastens, das heißt die bewusste Reduktion der Nahrungszufuhr, findet sich in jedem Kulturkreis und in jeder Religion. Durchaus sinnvoll, verbraucht der Körper doch bis zu 30 % weniger Energie für den Stoffwechsel durch das Auslassen oder die Reduktion von fester Nahrung. Diese frei werdenden Kapazitäten kann der Körper nutzen, um sich zu regenerieren und beispielsweise Entzündungen zu reduzieren. Insbesondere die Schleimhaut des Darms kann sich dadurch schnell wieder erholen.

Fasten entspricht dabei dem Verständnis der chinesischen Medizin für eine gute Essgewohnheit in Bezug auf die Funktion der Hohlorgane, welche oben beschrieben wurden. Allerdings geht es dabei nicht um das Fasten im Sinne der Ostertradition oder von Ramadan. Viel mehr spricht sich die chinesische Medizin dafür aus, klare Zeiten mit und ohne Nahrung zu haben. Das entspricht in etwa dem Gedanken des Intervallfastens, bei welchem meist für mehrere Stunden nichts gegessen wird.

Unabhängig vom medialen Hype um das Intervallfastens lässt sich abschließend festhalten, dass es sich bei dieser Form der Ernährung um eine urtümliche Form handelt. Mit anderen Worten der Körper ist an diese Weise der Ernährung bestens angepasst. Dies gilt im Sinne der Humanmedizin als auch im Sinne der chinesischen Medizin.

Weitere Informationen zum Thema Ernährung im Blog Was ist gesunde Ernährung.