Was ist gesunde Ernährung

Die Ernährungslehre der chinesischen Medizin

Die chinesische Medizin hat seit ihren Ursprüngen viel Wert auf eine gute und regelrechte Ernährung gelegt. Aber nicht nur das, sie hat auch viele Tipps und Empfehlungen, was man selbst tun kann um das Essen nahrhafter und gesünder zu gestalten. Im Artikel Immunstärkung und Krankheitsvorbeugung sind weitere Maßnahmen zur Gesunderhaltung beschrieben.

Ein grundsätzliches Konzept der chinesischen Medizin wenn es um die Vorgänge im menschlichen Körper und die Ernährung geht, ist das Konzept der sogenannten Drei Erwärmer (San Jiao).

Hierbei wird der Körper in drei Bereiche eingeteilt. Der sogenannte obere Erwärmer, bestehend aus Herz und Lunge, bewegt Qi und Blut durch den Körper. Zwischen dem oberen Erwärmer befinden sich die Verdauungsorgane Milz und Magen. Wobei in der chinesischen Medizin der Pankreas der Milz hinzugefügt wird. Ähnliches gilt für den Magen, ihm werden zusätzlich Funktionen aus dem Dünndarm zugeordnet.

Milz und Magen umfassen demnach wesentliche Verdauungsorgane und sind entscheidend wenn es darum geht wertvolle Bestandteile aus der Nahrung während der Verdauung aufzuschließen und aufzunehmen.

Der untere Erwärmer beinhalten den Urogenitaltrakt mit der Blase und Niere, sowie den Dickdarm in seiner Ausscheidungsfunktion.

Die chinesischen Medizin teilt der Körper in drei Erwärmer ein. Es gibt den oberen, den mittleren und den unteren Erwärmer.

Der Magen als Topf

Die chinesische Medizin beschreibt Abläufe im menschlichen Körper häufig in Form von einfachen Bildern. Dies gilt auch für Milz und Magen. Das gebräuchliche Bild ist hierbei, dass der Magen der Topf für die Lebensmittel ist. Diese werden durch die Hitze/ Verdauungsleistung der Milz erwärmt, damit die Nährstoffe genutzt werden können.

Durch das Einkochen werden die trüben Anteile der Nahrung von den klaren Anteilen getrennt, sodass der Körper alles Lebensnotwendige bekommt. An diesem Prozess sind sowohl der Dünndarm, als auch der Dickdarm beteiligt. Allerdings immer in Beteiligung des Feuers der Milz.

Der Magen wird in der chinesischen Medizin metaphorisch als ein Kochtopf beschrieben.

Rohes und Ungekochtes

Damit die Verdauung regelrecht abläuft benötigt der Magen, auch in der westlichen Medizin ein Körperkerntemperatur von ungefähr 37°. Daher ist es sinnvoll den Magen und die Verdauungsorgane nicht herunter zu kühlen. Dies gilt insbesondere für kalte Getränke direkt aus dem Kühlschrank oder Eis. Später mehr dazu.
Außerdem sollte selbst frisches Gemüse zumindest kurzzeitig gekocht werden um die Zellwände zu öffnen wodurch die Nährstoffaufnahme erleichtert wird. In diesem Zusammenhang werden einige entgegnen, dass dadurch die Nährstoffe, insbesondere die Vitamine, verloren gehen.
Wenn es darum geht, welchen Gehalt gekochte und ungekochte Nahrungsmittel haben stimmt dieser Einwand tatsächlich, dies sollte aber nicht über einen entscheidenden Punkt hinwegtäuschen.
Selbst wenn gekochte Lebensmittel weniger Vitamine und Nährstoffe enthalten, werden diese wenigen durch die Vorbereitung der Speise besser aufgenommen. Dadurch werden in letzter Konsequenz mehr Nährstoffe für den Körper nutzbar gemacht als bei Rohkost. Ferner verbraucht der Körper effektiv weniger Energie für die Verdauung.

In der Ernährungslehre der chinesischen Medizin wird Rohkost sehr kritisch betrachtet.

Eisgekühlt

Durch Eisgekühltes wird der Magen und die Milz herunter gekühlt. Dadurch wird die Verdauungsleistung beeinträchtigt. Als Folge kann das Mittagessen schwerer im Magen liegen, oder es entsteht Müdigkeit nach dem Essen.
Die Temperatur der zugeführten Flüssigkeiten und Nahrung beeinflusst außerdem die Fortbewegung der Speise durch den Verdauungstrakt. Dies wird als die sogenannte peristaltische Welle bezeichnet. Sind die Flüssigkeiten zu kalt, krampft die Muskulatur des Darms mit der Folge, dass Schmerzen entstehen. Warmes hingegen entspannt die Muskulatur. Es ist dabei unerheblich, welches Nahrungsmittel gekühlt ist, entscheidend ist wirklich die Grad Celsius Zahl.
Dazu sollte gesagt werden, dass es in der chinesischen Medizin wenige absolute Verbote oder Empfehlungen gibt. Ein sehr „heißer“ Körpertyp verträgt mehr eisgekühltes, als eine „kalter“ Körpertyp, welcher sowieso schon unter frösteln und einer schwachen Verdauung leidet.

In der chinesischen Ernährungslehre sollte auf eingekühlte Getränke wie zum Beispiel Smoothies verzichtet werden.

Feuchtigkeit und Schleim

Für die Verdauung entscheidend ist das Konzept von Feuchtigkeit und Schleim. Dieses ist besonders mit der Leistung von Milz und Magen verknüpft. Etwas vereinfacht geht es bei dem Konzept von Feuchtigkeit darum, dass schwerverdauliche Nahrungsmittel länger im Darm verbleiben und hier Wasser binden.
Dies ist beispielsweise der Fall, wenn in der Nahrung viel Zucker oder Salz enthalten ist. Auch andere Stoffe können im Darm osmotisch wirken und sorgen so dafür, dass mehr Flüssigkeiten in den Darm gelangen. Als Folge davon kann der Darm weniger Nahrungsmittel aufnehmen und es entsteht beispielsweise nichtinfektiöser Durchfall oder Verstopfung. Je länger Feuchtigkeit im Darm verbleibt, desto eher wandelt sich diese unter der Einwirkung der Verdauungshitze in Schleim. Schleim ist hier nicht nur metaphorisch gemeint, er kann sich im Stuhlgang zeigen aber auch als ein permanentes Wattegefühl im Kopf oder Schwindel bemerkbar machen.
Je träger der Darm durch diesen Schleim wird, desto mehr Hitze sammelt sich an und als Folge entsteht ein starkes Hungergefühl obwohl sich der Bauch gefüllt anfühlt.

Der Magen als Kochtopf kocht die Nahrungsmittel weich, so zumindest die chinesische Medizin.

Die Postkoch-Temperatur der Nahrung

Die chinesische Medizin ordnet Nahrungsmitteln oder Arzneien fünf verschiedene Temperaturen Heiß, Warm, Neutral, Kühl und Kalt zu. Wobei die Temperatur angibt, inwieweit durch dieses Nahrungsmittel der Stoffwechsel des Körpers angeregt wird oder eben nicht.
Heiß oder Kalt sind dabei keine Frage der Zubereitung der Speise, sondern ist bedingt durch das Lebensmittel als solches. Daher wird es hier als Postkoch-Temperatur bezeichnet. Am besten sollte nach Möglichkeit ein Essen nicht ausschließlich aus heißen oder kalten Lebensmittel bestehen. Einige Beispiele sind in der ausklappbaren Liste:

Aufgrund der Postkoch-Temperatur wird in China zum Beispiel an Sommertagen häufig Mungbohnensuppe oder Tofu gegessen, da diese Speisen den Körper durch ihre natürliche Wirkung auf den Körper kühlen. In Europa gilt dies zum Beispiel für Glühwein im Winter, denn Nelken, Kardamon sowie Zimt sind warme/heiße Gewürze. Sie regen den Stoffwechsel an und wärmen.

Das Auge isst mit.

Feuchtigkeit produzierende Nahrungsmittel

Neben der Temperatur kennt die chinesische Medizin noch 5 Geschmacksrichtungen bei Nahrungsmitteln und Arzneien: Sauer, Bitter, Süß, Scharf und Salzig. Je nach Geschmack haben die Nahrungsmittel eine andere Wirkung im Körper. Scharf öffnet die Oberfläche wodurch Schwitzen entsteht und bewegt Qi im Körper. Süß hingegen nährt den Körper und harmonisiert den Stoffwechsel.
Der süße Geschmack als solcher baut im Körper Qi und Blut auf und ist der Hauptgeschmack für viele der gebräuchlichen Nahrungsmitteln. Im Übermaß zugeführt, schwächt dieser Geschmack aber Milz und Magen. Der Mechanismus wurde oben beschrieben.

Im Sinne der chinesischen Medizin entsteht nun ein sich Selbst am Leben erhaltender Mechanismus: je geschwächter die Verdauungsorgane sind, desto mehr besteht das Verlangen nach dem süßen Geschmack.

Prinzipiell ist dies ein guter Mechanismus, der Körper versucht den Mangel an Nährstoffen aufgrund der eingeschränkten Verdauung auszugleichen. Es ist allerdings entscheidend, in welcher Form nun der süße Geschmack zugeführt wird.
Sehr süße oder hochkalorische Nahrungsmittel wie Honig, Nüsse, getrocknete Früchte oder Schokolade, sowie Fruchtsäfte sind in Maßen kein Problem. In großen Mengen führen sie allerdings dazu, was die chinesische Medizin als Feuchtigkeit beschreibt. Dies gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel, welche damit werben, dass sie nahezu alle wichtigen Stoffe enthalten.
In diesem Zusammenhang ist auch der tägliche Frucht- oder Gemüsesaft nicht zu empfehlen. Die Menge der hierfür verwendeten Früchte und Gemüse kann nach der chinesischen Medizin Feuchtigkeit entstehen lassen. Der bekannte amerikanische Autor Bob Flaws sah hier besonders die Kombination aus süßem und sauren Geschmack, wie er in Zitrusfrüchten oder Tomaten zu finden ist, kritisch. Einige Beispiele zur Geschmackqualität  sind in der ausklappbaren Liste:

Oragensaft ist nach der chinesischen Medizin nur in Maßen gesund.

Fleisch und Fisch

In der chinesischen Medizin gilt der Mensch als Omnivor, das heißt als Allesfresser. Demnach spricht zunächst nichts gegen den Genuss von Fleisch und Fisch. Allerdings gilt auch hier, dass die Menge entscheidend ist.
In China ist Fleisch oft eine Würzbeilage und wird vielen eigentlich vegetarischen Gerichten beigefügt. Anders als in Europa besteht daher das Gerichte in erster Linie aus Gemüse und nur in zweiter Linie aus Fleisch.
Zurück zum Bild des Magens als Feuertopf. Je schwerverdaulicher ein Nahrungsmittel ist, desto weniger sollte auf einmal davon gegessen werden. Fleisch gilt als sehr nahrhaft, ist aber eben auch schwerverdaulich. Daher sollten es nur in geringen Mengen gegessen werden, um die Entstehung von Feuchtigkeit im Körper zu verhindern.

Gegrilltes Fleisch wird in China eher als Gewürz genutzt.

Die Basis Empfehlungen

  1. Gemüse sollte die Grundlage der Gerichte bilden
  2. Alle fünf Geschmäcker sollten in der Nahrung vorkommen
  3. Die Nahrung sollt nicht ausschließlich aus süßen, kalorienhaltigen Nahrungsmitteln bestehen.
  4. Alle fünf Temperaturen sollten in der Nahrung berücksichtigt werden
  5. Das Essen als Ritual fördert die Entspannung
  6. Gemüse sollte zwar gekocht werden, allerdings nur kurz
  7. Im Laufe der Jahreszeiten wachsen nur bestimmte Gemüse und Früchte, dies ist zu beachten
  8. Gewürze unterstützen die Verdauung
  9. Hungerphasen sind wichtig, damit der Körper sich regenerieren kann. Der menschliche Körper ist noch nicht daran angepasst, ständig Nahrung aufzunehmen
Eine gesunde Ernährung sollte viel Gemüse und wenig Fleisch beinhalten.

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