Immunstärkung und Krankheitsvorbeugung

Immunstärkung – Chinesische Medizin at its best

Es gibt verschiedene Sprichwörter aus China, welche sich mit der Stärkung des Immunsystems oder anders gesagt der Krankheitsvorbeugung beschäftigen. So weiß der Volksmund in China, dass man besser den Brunnen graben sollte, bevor man durstig ist.

Auch das Grundlagenwerk der chinesischen Medizin Der Gelbe Kaiser der Inneren Medizin (黃帝內經 – Huangdi Neijing, ca. 80 v. Chr) stellt diesen Aspekt ins Zentrum des ärztlichen Schaffens. Eine zentrale Stelle berichtet, dass der gewöhnliche Arzt eine Krankheit behandelt, wenn sie ausgebrochen ist, der gute Arzt allerdings, bevor sie sich zeigt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die chinesische Medizin und Kultur sehr viele Methoden und Ratschläge zur Gesunderhaltung hat. In diesem Artikel werden die wichtigsten hieraus vorgestellt, sodass der Leser am Ende verschiedene Möglichkeiten, hat selbst tätig zu werden. Denn auch die Selbsthilfe hat einen hohen Stellenwert in der chinesischen Medizin.

Vorbeugung auf chinesisch = Yǎng Shēng (養生)

Alle Methoden, Ratschläge, Ernährungshinweise, Therapien und Massageanwendungen, welche das Ziel haben, den Menschen zu stärken, bevor er krank wird, werden unter dem Begriff Yǎng Shēng zusammengefasst. Übersetzt bedeuten die Zeichen so viel wie „Nähren und Geburt“. Schöner beschreibt es das Lehrbuch Life-Nurturing Science in TCM: Yǎng Shēng ist die Art des subjektiven und objektiven gesundheitsfördernden Verhaltens, mit dem Menschen ihr Leben bewusst mit verschiedenen Mitteln und Methoden pflegen, unter Bezugnahme auf ihr Verständnis des universellen Gesetzes von Leben und Natur. Das eigentliche Konzept umfasst also alle Lebensbereiche im Physischen als auch im Psychischen. Ferner sind sowohl die Klienten als auch die Therapeuten gefordert, an den Maßnahmen mitzuwirken.

Den Geist klären

Eine mögliche Tätigkeit, welche kein Behandler dem Klienten abnehmen kann, ist die Meditation, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Die chinesische Medizin geht nicht von der Trennung von Seele, Geist und Körper aus. Empfindung und der Körper wirken zusammen. Durch den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Geist hat die Behandlung des Körpers auch unmittelbar Auswirkungen auf das emotionale Empfinden. Dies gilt aber auch im Umkehrschluss. Daher hat das Beruhigen des Geistes durch die Meditation einen sehr hohen Stellenwert.

Eine Lotusblume als Sinnbild für die Meditation.

Zur Meditation kann ich die App 7mind sehr empfehlen. Sie bietet einen Einstieg in das umfangreiche Thema Meditation und ist eingeschränkt kostenlose nutzbar. Insbesondere der frei zugängliche Kurs In Zeiten der Krise ist klasse. Dieser ist dafür konzipiert, Menschen in stressigen Zeiten zu stärken und zu stabilisieren. Ein lohnender Ansatz, konnte doch die Studie Psychological Stress and the Human Immune System: A Meta-Analytic Study of 30 Years of Inquiry von Segerstrom et al. (2006) zeigen, dass chronischer Stress das Immunsystem schwächt. Meditation wiederum zeigte eine Studie von Kabat-Zinn (1992), lindert die Angst- und Stressreaktion. Ein Review von Black & Slavic (2016) zeigte außerdem, dass Meditation das Immunsystem stärkt.

Der Blogartikel Innere Ruhe finden durch Meditation beschreibt eine andere Möglichkeit der Meditation, welche sich mehr auf den chinesischen Chan-Budhismus bezieht. Damit kann sofort ohne technische Geräte gestartet werden.

Sich selbst etwas Gutes tun – Massage

Wem Meditation zu trocken erscheint, dem kann ich die Akupressur empfehlen. Hierbei geht es darum, bestimme Punkte zu massieren, um sich selbst und seinen Körper zu unterstützen. Die Massage selbst kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Eine genau Beschreibung hierzu bietet der Artikel Was ist Akupressur.

Ein sehr verbreitetes Programm zur Krankheitsvorbeugung sind die 3-1-2 Leitbahnübungen nach dem beijinger Professor Zhu Zhong-Xiang. Hierbei handelt es sich um eine kurze Anleitung zur Selbstmassage, um einige der wichtigsten Akupunkturpunkte zu stimulieren. Nach Prof. Zhu wird so die körpereigene Abwehr gestärkt und das Wohlbefinden gefördert. Eine Beschreibung zum Ablauf befindet sich im Blog Die 3-1-2 Leitbahnübungen.

Mehr als heißes Wasser – Tee

Vom chinesischen Gelehrten Tian Yi Heng (田藝蘅, 1491 – 1570) stammt der Ausspruch: Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen. Dies stimmt natürlich nur dann, wenn man sich entsprechend einen Raum, ein Zeitfenster schafft, um den Genuss des Tees zu zelebrieren.

Unabhängig von der Zeit gilt aber, dass insbesondere ein Tee aus frischem Ingwer einen immunstimulierend Einfluss hat. Dies zeigt zum Beispiel die Übersichtsarbeit über die pharmakologischen Eigenschaften von Ingwer, welche von Mashhadi et al. (2013) durchgeführt wurde. Dabei ist Ingwertee denkbar einfach zu nutzen. Frischen Ingwer bestenfalls in Bio-Qualität bekommt man heutzutage in jedem Supermarkt.

Von der Wurzelknolle ein bis zwei ca. 3 mm dicke Scheiben abschneiden und in abgekochtes, heißes Wasser geben und ziehen lassen. Dieser Tee stärkt nicht nur den Körper, sondern wärmt auch.

Sich Ruhe für einen Tee zu gönnen, fördert die Entspannung und somit das Immunsystem.

Kulturelle Eigenheiten aus China

Wer schon mal in China war, der kennt vielleicht die allgegenwärtigen Thermoskannen. In China wird meist heißes Wasser getrunken. Dies hat einige Vorteile, ganz klassisch werden durch die Hitze Keime abgetötet und das Wasser wird weicher, da Stoffe wie Kalk bei hohen Temperaturen kristallisieren. Dies kann man gut im Wasserkocher beobachten.

Von der Keimreduktion abgesehen entspannt warmes Wasser die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt, wodurch Schmerzen gelindert werden können und die Verdauung reguliert wird. Ferner weitete die Wärme die Blutgefäße, wodurch der Stoffwechsel im Inneren des Körpers gefördert wird. Selbstredend sollte das Wasser aber natürlich eine trinkbare Temperatur haben und nicht zu Verbrühungen führen können.

Thermoskannen für heißes Wasser in einer Straße in China.

Nichts geht über ein gutes Brot aber…

Der Hauptbestandteil von Brot im Westen ist mit Abstand Weizen und bezeichnenderweise ist China dabei das Land, welches dieses Korn weltweit am meisten produziert. Dies ist nicht ganz unironisch, beschrieb doch schon der berühmte chinesische Arzt Li Dong Yuan ( 李東垣, 1180 – 1251 n. Chr), dass eingeweichte Nahrung aus Weizen, also die bekannte Nudel, absolut gemieden werden sollten. Über seine Gründe kann nur spekuliert werden, aber zeitgenössische Studien zeigen mögliche Gründe auf. Das im Weizen enthaltene Amylopektin A (ein vielfach Zucker) erhöht den Blutzucker stärker als eine vergleichbare Menge an reinem Haushaltszucker. Als Folge davon sind wir schneller wieder hungrig und essen letztendlich mehr. Dies fördert auf lange Sicht Übergewicht und die Entstehung von Diabetes Mellitus, die bekannte Stoffwechselkrankheit. Die logische Schlussfolgerung ist in diesem Zusammenhang den Weizenverbrauch drastisch zu senken und durch andere Getreide (Dinkel) zu ersetzen. Auf lange Sicht wird dadurch ganz wesentlich die Gesundheit erhalten und das Immunsystem gestärkt.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, das die Akupunktur wieder besser wirken kann. Über die Hintergründe berichte ich im Artikel Weizen und Akupunktur.

Hinaus ins Freie

Gegen Diabetes Mellitus hilft nicht nur eine Umstellung der Ernährung, sondern auch Bewegung. Es geht dabei nicht um einen Marathonlauf sondern moderate Bewegung wie Spazierengehen oder sich im Garten zu betätigen.

Die positiven Effekte eines entspannten Spazierens durch den Wald haben noch viele weitreichendere Auswirkungen. Studien belegen, dass die Stimmung gebessert wird und Ängste sowie Sorgen ähnlich gut wie mit einem Antidepressivum gelindert werden – nur ohne deren Nebenwirkung.

Darüber hinaus lindert ein Spaziergang im Wald schon nach 20 Minuten den Cortisol Gehalt im Blut. Cortisol ist eines der menschlichen Stresshormone. So lebensnotwendig es ist, so schädlich sind auf Dauer erhöhte Cortisolspiegel durch Stress und Angst. Durch lang anhaltenden Stress kann es zu einer Schwächung des Immunsystems, Depressionen, Herz-Kreislauf-Störungen und einer Reihe weiterer Erkrankungen kommen. Daher gehört zur Immunstärkung unbedingt ein regelmäßiger Spaziergang im Wald.

Den Kopf halt kühl, die Füße warm

Hinter dieser Volksweisheit steckt mehr, als man vermuten könnte. Schon 1919 konnte durch Mudd und Grant gezeigt werden, dass kalte Füße zu einer Minderdurchblutung im Mund-Nasen-Rachenraum führt. Durch die verminderte Durchblutung ist die körpereigene Abwehr dadurch in diesem Bereich geschwächt und Grippeviren haben leichteres Spiel. Insofern ist eine sehr sinnvolle Maßnahme, die Füße gut warm zu halten.

Eine Möglichkeit hierfür bietet ein Fußbad mit oder ohne Kräuterzusätze. Als der hundertjährige Prof. Tietao Deng der Guanzhou Universität nach seinen Geheimnissen über ein langes Leben gefragt wurde, berichtete er folgendes: Der Menschliche Körper gleicht einem Baum, seine Füße sind die Wurzeln. Wenn die Wurzeln austrocknen, stirbt der Baum, wenn die Füße ihre Sinne verlieren altert der Mensch. Er nutzte daher zum einem Qi Gong Übungen, zum anderen Fußbäder mit chinesischen Kräutern: Radix Achyranthis Bidentatae (Niu Xi) 30g, Rhizoma Ligustici Wallichii (Chuan Xiong) 30g, Radix Angelicae Dahuricae (Bai zhi) 1og, Ramulus cum Uncis Uncariae (Gou Teng) 30g, Spica Prunellae (Xia Ku Cao) 10g, Fructus Evodiae (Wu Zhu Yu) 10g, Cortex Cinamomi (Rou Gui) 10g. Arzneikräuter sollten allerdings immer durch einen Therapeuten verschrieben werden.

Immer moderner werden außerdem Barfußschuhe, welche die Muskulatur und damit auch die Durchblutung in den Füßen wieder mehr fordern. Letzteres sorgt für wärme und fördert gleichzeitig die Abwehr im Halsbereich. Der Hals-Nacken-Bereich kann zusätzlich durch ein Tuch oder einen Schal warmgehalten werden.

Therapeutische Möglichkeiten

Einem Therapeuten der chinesischen Medizin stehen viele weitere Möglichkeiten zur Stärkung des Immunsystems und Krankheitsvorbeugung zur Verfügung. Über die Puls- und Zungendiagnose sowie die Leitbahnpalpation können Ungleichgewichte im Körper gefunden werden. Solange diese nicht schwerwiegend sind, äußert sich dies meist in unauffälligen Symptomen wie leichte Schlafstörungen, Gereiztheit, Müdigkeit nach dem Essen, häufiges Aufstoßen, chronischer Durchfall oder ein dumpfes Ziehen im Rücken.

Diese Symptome sind an für sich meist nicht schlimm, allerdings gibt es in der chinesischen Medizin den Grundsatz: Wenn das Qi im Inneren stark ist, können Krankheiten nicht entstehen (Zhèng qì nèi cún, xié bù kě gàn, 正气内存,邪不可干). Solche leichten Symptome können daher ein Anzeichen dafür sein, dass das Qi im Körper geschwächt ist. Es kann daher sinnvoll sein, auch hier vorbeugend tätig zu werden und das Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen. Dafür kann die Akupunktur oder auch der Einsatz von chinesische Kräutern sinnvoll sein.

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