Weizen und Akupunktur

Unser Täglich Qi gib uns Heute

Wie es der Zufall wollte, bin ich vor Kurzem über einen Bestseller von Dr. William Davis gestoßen. In diesem beschreibt Davis die Auswirkungen des heutigen Zuchtweizens auf die Gesundheit und seine weitreichenden Folgen für den menschlichen Körper.

Eine in diesem Buch erwähnte Studie machte mich aufmerksam. Nach besagter Studie entstehen während der Verdauung von Weizen sogenannte Exorphine. Um was es sich dabei handelt und inwiefern mich dies zum Nachdenken brachte, soll Inhalt dieses Artikels sein.

Exorphine – Die Unbekannte Größe

Der Begriff Exorphine setzt sich aus dem Begriff exogen für außerhalb des Körpers entstehend und ihrer morphin artigen Wirkung zusammen. Der Begriff wurde von einer Forschergruppe um Dr. Christine Zioudrou geprägt. Diese beschrieben in den 1980 Jahren erstmals die Entdeckung dieser Exorphine. Hierbei handelt es sich um Opioidpeptide, welche während der Verdauung nicht in Aminosäuren gespalten werden und somit über die Darmschleimhaut in den Körper gelangen (1). Die Exorphine werden im Körper in Abgrenzung zu den sogenannten Endorphinen betrachtet. Bei Endorphinen handelt es sich um körpereigene Opioidpeptide, welche der Körper selbst im Rahmen von Schmerz- bzw. Stressreaktionen freisetzt. Diese docken an Rezeptoren im Körper an und ermöglichen, dass das Körper auch bei Verletzungen noch handlungsfähig bleibt. Zioudrou et al. (1979) konnten nachweisen, dass diese Exorphine auch in vivo (am Lebenden) im menschlichen Körper entstehen können.

Werden diese Exorphine über den Darm in den Körper aufgenommen, sind sie in der Lage, an den Opioid-Rezeptoren wirksam zu werden. Nach Davis entsteht hierdurch die positive Wirkung von Weizen auf die menschliche Psyche (2). Auf der anderen Seite steht der Weizen daher seitdem im Verdacht auch psychische Erkrankungen zu verursachen. Mehr dazu findet sich im Literatur-Review von Paola Bressan und Peter Kramer (Bressan et al. 2016).

An den Rezeptoren stehen die Exorphine in Konkurrenz zu den körpereigenen Endorphinen. Das heißt, die Exorphine des Weizens können die Wirkung der körpereigenen Stoffe beeinträchtigen (3). Die Wirkung der Exorphine ist dabei allerdings nicht vergleichbar mit den Wirkungen der Endorphine (4).Trotz alledem haben sie eine schmerzlindernde Wirkung (Pruimboom et al. 2015).

Die Japaner Shin-ichi Fukudome und Masaaki Yoshikawa konnten zehn Jahre später zeigen, an welchen Rezeptoren die isolierten Exorphine andockten. Sie klassifizierten die Exorphine aufgrund der ihrer Proteinsequenz und stellten so vier verschieden Exorphine fest. Die Exorphine A4 und A5 binden dabei an den δ Rezeptor im Gehirn. Wohingegen die Exorphine B4 und B5 an die Rezeptoren δ und μ im Gehirn andocken (5).

Dies war Ihnen möglich, indem sie den Opioidantagonist Naloxon verwendeten. Dieser verhindert die Wirkung sowohl körpereigener Opioide wie Endorphin, als auch die Wirkung körperfremde Opioide wie Heroin an diesen Rezeptoren im Gehirn. Durch die spezifische Wirkung von Naloxon und die anschließend ausbleibende Wirkung der Exorphinen des Weizens, konnte so festgestellt werden, an welchen Rezeptoren die Exorphine wirken.

Die Wirkung der Exorphine ist, dass sie den Energieverbrauch fördern, die Reaktivität steigern und für Hyperaktivität sorgen. Eine Erklärung für diese Wirkung ist ein tief angelegter Fluchtreflex bei Nahrungsknappheit. (Bressan et al. 2016) Dies gilt allerdings nur, wenn die Exorphine im Gehirn wirksam werden, in den Bauchorganen haben sie ein Verdauung dämpfende Wirkung.

Was hat das ganze mit Akupunktur zu tun?

Nach Richard Hammerschlag (6) entsteht die schmerzlindernde Wirkung der Akupunktur unter anderem durch Endorphine. Die ersten Hinweise ergaben sich durch die eine erhöhte Schmerztoleranz bei Tieren, wenn das Rückenmarkswasser von akupunktierten Tieren zu nicht akupunktierte Tieren übertragen wurde.

Darüber hinaus wurde die Wirkung der Akupunktur ebenfalls mit Naloxon geprüft. Es zeigte sich auch hier, dass durch Naloxon die Effektivität der Akupunktur vermindert wurde. Durch die Untersuchung des Rückenmarkswassers konnten die Endorphine, welche bei Akupunktur ausgeschüttet werden, bestimmt werden. Dies ist wesentlich verursacht durch Enkephalin und Endorphin, welche ebenfalls an die Rezeptoren δ und μ im Gehirn andocken. Weitere endogene Opioide sind β-Endorphin, welches an die Rezeptoren γ und δ andockt, sowie das Dynorphin (K-Rezeptor).

Zur Erinnerung Exorphine aus dem Weizen wirken an den gleichen Rezeptoren wie Endorphine, welche durch Akupunktur ausgeschüttet werden. Nach Zioudrou et al. (1979) verhalten sich diese wie oben erwähnt kompetitiv. Je Höher der Gehalt an Exorphinen, desto niedriger der Gehalt von Endorphinen. Es lässt sich daher vermuten, dass bei Weizenkonsum die Wirkung der Akupunktur beeinflusst, wenn nicht sogar blockiert wird. Wie lange dieser Effekt andauert, lässt sich dabei leider nicht sagen.

Geschichtliches aus China

Wie in jedem Land gibt es auch in China Klischees und Vorurteile. Eines die Vorurteile besagt, dass in Nordchina ausschließlich Weizen und in Südchina ausschließlich Reis gegessen wird. Aufgrund der klimatischen Begebenheiten ist hier ein wahrer Kern vorhanden. Dieser lässt sich gut an der regionalen Küche betrachten. So finden sich die verschiedensten Teiggerichte vor allem in Nordchina, wohingegen Reisgerichte eben in Südchina verbreitet sind.

Archäologische Ausgrabungen in China konnten schon Nudelgerichte aus dem Jahre 2000 v. Chr. Zu Tage fördern. Bezeichnenderweise Verbot der Arzt Li Dong Yuan den Verzehr von Nudeln in seinem Werk über die Behandlung von Milz und Magen (7).

Es ist natürlich nicht mehr möglich, Li nach den Gründen zu Fragen, allerdings ist er dafür berühmt, effektive Rezepturen zur Regulierung der Magen-Darm-Organe erstellt zu haben. Er gilt in der chinesischen Medizin daher als der Vater des Fachbereichs der sogenannten Gastroenterologie. Mit anderen Worten, als Vater des Fachbereichs, welcher sich mit der Behandlung der Verdauungsorgane beschäftigt.

Seine Empfehlung befindet sich Abschnitt der Abhandlung zur allgemeinen Gesunderhaltung (8) und in der Abhandlung über die Schwäche von Milz und Magen (9). Bezeichnenderweise stammte er selbst aus Nordchina und war ein begnadeter Akupunkteur. Es lässt sich daher vermuten, dass er seine Empfehlungen auch im Bezug zur Akupunktur äußerte.

Eigenerfahrung als Grundlage

Was wäre die Heilpraxis ohne Selbsterfahrung, dies gilt auch in der Akupunktur. Aus diesem Grund verzichte ich seit über einem halben Jahr auf Getreide, insbesondere aber auf Weizen. Während dieser Zeit akupunktierte ich mich mehrmals, um die Auswirkung des Weizenverzichts und den Verlauf zu beurteilen. Beobachtungskriterien waren dabei: Reaktion des Gewebes auf den Nadelreiz, Ausbreitung des De-Qi-Gefühls, Dauer des De-Qi-Gefühls, sowie die Wirkung der Akupunktur.

Von meinem Eindruck her verändert sich die Wirkung der Akupunktur nach 3-4 Tagen und die erwähnten Kriterien werden intensiver. Diese kleine Einzelfallstudie festigt die Hypothese, dass Weizenkonsum die Akupunktur beeinflussen kann.

Und nun?

Bei den Exorphinen handelt es sich um einen Randbereich der Medizin, welcher noch nicht abschließend erforscht ist. Klar scheint allerdings, dass Exorphine im Essen vorkommen und im menschlichen Körper wirksam sein können. Dies gilt sowohl lokal in den Verdauungsorganen als auch im zentralen Nervensystem. Sie stimulieren dabei die gleichen Rezeptoren wie Endorphine und stehen hier in Konkurrenz zueinander. Gleichzeitig entsteht ein Teil der schmerzlindernden Wirkung der Akupunktur durch die Sekretion von Endorphinen. Es lässt sich daher vermuten, dass ein hoher Weizenkonsum, welcher gleichzeitig mit einer hohen Einnahme von Exorphinen einhergeht, die Wirkung der Akupunktur beeinflusst. Dazu liegen allerdings keine aktuellen Studien vor, die Zusammenhänge geben aber einen Hinweis darauf. Durch den Selbstversuch konnte dies bestätigt werden. Die Auswirkungen scheinen in der chinesischen Medizin dabei auch einzelnen Ärzten bekannt gewesen zu sein, ein Beispiel dafür ist der Arzt Li Dong Yuan. In diesem Zusammenhang seid darauf hingewiesen, dass auch Koffein die Wirkung der Akupunktur beeinflusst.

Quellen

  • Bressan, P., & Kramer, P. (2016). Bread and Other Edible Agents of Mental Disease. Frontiers in Human Neuroscience, 10. https://doi.org/10.3389/fnhum.2016.00130
  • Cassidy, Claire M. (2001). Contemporary Chinese Medicine and Acupuncture (Medical Guides to Complementary & Alternative Medicine), Churchill Livingstone
  • Davis, Williams (2013). Warum Weizen dick und krank macht WEIZENWAMPE, Goldmann
  • Fukudome, S., & Yoshikawa, M. (1992). Opioid peptides derived from wheat gluten: their isolation and characterization. FEBS letters, 296(1), 107–111. https://doi.org/10.1016/0014-5793(92)80414-c
  • Liu, Z., & Udenigwe, C. C. (2018). Role of food-derived opioid peptides in the central nervous and gastrointestinal systems. Journal of Food Biochemistry, 43(1), e12629. https://doi.org/10.1111/jfbc.12629
  • Li Dong Yuan (2003): Abhandlung über Milz und Magen. Eine Übersetzung des Pi Wei Lun. Aus d. Chin. v. Yang, Shou Zhong; Li,
  • Jian Yong. Aus d. Engl. v. Geiss, Dieter; Lahrmann, Hartwig. Kötzting: Verlag f. Ganzheitliche Medizin
  • Pruimboom, L., & de Punder, K. (2015). The opioid effects of gluten exorphins: asymptomatic celiac disease. Journal of Health, Population and Nutrition, 33(1). https://doi.org/10.1186/s41043-015-0032-y
  • Usdin, Earl; Bunney, William E.; Schellenberg Kline, Nathan (1979), Endorphins in Mental Health Research, The MacMillan Press LTD
  • Zioudrou, C., Streaty, R. A., & Klee, W. A. (1979). Opioid peptides derived from food proteins. The exorphins. The Journal of biological chemistry, 254(7), 2446–2449.

Fußnoten

1 Zioudrou, Seite 2449
2 Davis, Seite 81
3 Zioudrou, Seite 2447
4 Usdin, Seite 216
5 Fukudome, Seite 109
6 Cassidy 212-216
7 Li, Seite 225
8 Li, Seite 225
9 Li, Seite 50